Experte: Europaweiter Trend zum Berufsheer

Bild: Reuters
Am 20. Jänner entscheiden die Österreich über die Zukunft der Wehrpflicht. Laut ersten Umfragen ist die Mehrheit der Bevölkerung für die Beibehaltung von Bundesheer und Zivildienst. EU-Militärexperte Jo Coelmont sieht hingegen europaweit einen Trend zur Abschaffung der Wehrpflicht.
ist die Mehrheit der Bevölkerung für die Beibehaltung von Bundesheer und Zivildienst. EU-Militärexperte Jo Coelmont sieht hingegen europaweit einen Trend zur Abschaffung der Wehrpflicht.

Zuletzt schaffte das neutrale Schweden 2010 die Wehrpflicht ab. EU-Militärexperte Jo Coelmont ist ehemaliger Brigadegeneral des belgischen Heeres und nun Analyst beim Brüsseler Egmont Institut, sieht dafür mehrere Gründe, die gegen die Wehrpflicht sprechen:


Die Heere der Zukunft seien zunehmend technisiert, die Handhabung der neuen Waffensysteme erfordere darum mehr Schulung und professionellen Umgang. Hier seien Berufssoldaten im Vorteil.


Mit der Abkehr vom Prinzip der Territorialverteidigung innerhalb Kerneuropas liege der Schwerpunkt eher bei Friedensmissionen und Einsätzen in Krisenregionen. Für diese würden kaum Grundwehrdiener eingesetzt, auch seien gute Vorbereitung und Kenntnis der lokalen Begebenheiten erforderlich, die man eher Profisoldaten angedeihen lasse.


Der Grundwehrdienst sei auch eine Frage der Geschlechtergerechtigkeit; in EU-Staaten gebe es ihn nur für Männer. Damit sei 50 Prozent der Bevölkerung von vornherein nicht dabei, weiters würden oft weniger als die Hälfte der Wehrpflichtigen tatsächlich eingezogen. Die breite Repräsentation aller Schichten im Militär sei damit nicht gegeben.


Als praktisches Argument gilt für Coelmont auch die Dienstzeit: Diese sei oft viel kürzer, als es eine gründliche Ausbildung erfordere. In Österreich dauert der Grundwehrdienst sechs Monate. Welche Dauer ideal sei, lasse sich schwer sagen, sagte der EU-Experte. Er verweist allerdings auf den steigenden Schulungsbedarf in modernen Heeren.

Für die Zukunft sieht der europäische Militäranalyst nicht nur ein Abgehen von der Wehrpflicht, sondern auch eine Transformation des Konzepts der Neutralität. "Der Begriff hatte in der Vergangenheit eine Bedeutung", sagte Coelmont.

Mehr und mehr seien jedoch auch neutrale Staaten wie Österreich, die sich zu Zeiten des Kalten Krieges nicht positionieren wollten, an gemeinsamen Außeneinsätzen der EU-Staaten beteiligt. Dies gelte für logistische, politische oder finanzielle Unterstützung, etwa beim Libyen-Einsatz der NATO.

Was Europa in Zukunft brauche, sei eine gemeinsame EU-Militärstrategie, betonte Coelmont, der sich auf Einladung des Austria Institut für Europa- und Sicherheitspolitik in Wien befand. "Dabei geht es um Krisenmanagement, und nicht darum, eine Art europäisches Imperium zu verteidigen." Das Militär sei ein Instrument für die Wahrung europäischer Interessen in Nachbarregionen, beispielsweise im mediterranen Raum und Zentralasien.

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