Experte sagt, warum hohe Corona-Zahlen ein Vorteil sind

Epidemiologe Gerald Gartlehner von der Donau-Uni Krems
Epidemiologe Gerald Gartlehner von der Donau-Uni Kremsapa/picturedesk ("Heute"-Montage)
Die Corona-Infektionszahlen steigen in Österreich massiv an. Laut dem Epidemiologen Gartlehner hat der Anstieg an Neuinfektionen nicht nur Nachteile.

Die Corona-Maßnahmen wurden in Österreich weitgehend beendet und die Infektionszahlen schellen in die Höhe. Am Donnerstag gab es in Österreich einen neuen Rekordwert bei den Neuinfektionen. Innerhalb von 24 Stunden wurden 49.432 Neuinfektionen und 23 Todesfälle vermeldet. Das wiederholte sich am Freitag mit 49.323 Neuinfektionen und 27 Todesfällen.

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Die Experten des Prognosekonsortiums gehen davon aus, dass das Infektionsgeschehen weiter ansteigen wird. Gründe dafür sind die Öffnungsschritte vom 5. März, sowie die zunehmende Dominanz des Omikron Subtyps BA.2. Auch die Corona-Ampel bleibt klar im roten Bereich.

Stabile Situation auf den Intensivstationen

Während die Zahl der Neuinfektionen massiv ansteigt, bleibt die Situation auf den Intensivstationen aber stabil. Aktuell befinden sich 2.751 Corona-Patienten in den Spitälern, 176 davon müssen auf den Intensivstationen betreut werden. Eine drohende Überlastung ist also nicht in Sicht, dennoch steigen die Zahlen wieder deutlich an.

"Öffnung zu früh"

"Angesichts der aktuellen Entwicklung, die alles andere als überraschend ist und vor der fast alle Epidemiologen sowie Virologen gewarnt haben, kam das bedingungslose Öffnen am 5. März definitiv zu früh", erklärt Epidemiologe Gerald Gartlehner von der Donau-Universität Krems, gegenüber der "Presse".

"Nur die Auslastung auf den Intensivstationen als Kriterium heranzuziehen, greift zu kurz. Was ist mit den täglich 20 bis 40 Todesfällen unter älteren Menschen, die ganz offensichtlich in Kauf genommen werden? Was ist mit der Mangelversorgung in Spitälern, weil Gesundheitspersonal erkrankt und ausfällt, und dadurch Operationen sowie Therapien verschoben werden müssen? Und natürlich: Was ist mit Long Covid? Wir wissen derzeit nicht, wie stark die Impfungen das Risiko dafür reduzieren und wie viel Prozent der Infizierten unter Langzeitfolgen leiden werden", führt er weiter aus.

Der Experte versteht nicht, warum bestimmte Maßnahmen, wie etwa die Maskenpflicht in Innenräumen nicht beibehalten wurden. Schließlich habe sich auch die Bevölkerung schon daran gewöhnt. Auch hätte man seiner Ansicht nach noch abwarten können, bis die Temperaturen steigen.

Hohe Zahlen tragen zur Immunität bei

"Zudem sollte in der Nachtgastronomie weiterhin 2-G gelten, denn selbst dann, wenn sich Geimpfte gegenseitig anstecken, erkranken sie zumeist nur mild, der Schaden hält sich also in Grenzen", meint Gartlehner. Allerdings haben die hohen Corona-Zahlen laut seiner Argumentation nicht nur Nachteile, weil sie zur zunehmenden Immunität in der Bevölkerung beitragen.

Der wiederholte natürliche Kontakt mit dem Virus wird als Grundvoraussetzung für den Übergang von der pandemischen in die endemische Phase betrachtet. In der endemischen Phase kommt es zwar auch regelmäßig zu Infektionswellen, sie fallen aber flach aus und bringen das Gesundheitssystem nicht an seine Kapazitätsgrenzen.

Laut dem Simulationsforscher Niki Popper waren Anfang März bereits 77 Prozent der Bevölkerung – entweder durch eine Impfung oder eine Infektion – immun gegen Omikron.

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