Coronavirus

Experte sagt, was bei Corona-Impfung entscheidend ist

Der Wiener Impfexperte Herwig Kollaritsch erklärte, dass man jetzt möglichst vielen Österreichern schnell die erste Teilimpfung verabreichen sollte. 
Heute Redaktion
30.03.2021, 20:02

Der Infektiologe Herwig Kollaritsch forderte am Montagabend bei einer Online-Ärztefortbildung eine neue Impfstrategie im Kampf gegen die Pandemie. Laut seinen Aussagen ist es in naher Zukunft nicht möglich, eine Herdenimmunität zu erreichen. Er plädiert daher dafür, die zweite Teilimpfung aufzuschieben um möglichst schnell mehr Menschen mit der ersten Dosis zu impfen.

Erstimpfung für möglichst viele Menschen entscheidend

Das heißt konkret, dass nun verstärkt auf die Erst-Impfung gesetzt werden sollte bis mehr Covid-19-Vakzine zur Verfügung stehen. Der Schutz baue sich mit der Zeit auf, die zweite Impfung diene laut Kollaritsch vor allem der Konsolidierung des Impferfolgs. Der "Herdenschutz" könne in der jetzigen Phase mit den infektiöseren Varianten kaum erreicht werden.

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"Es ist enorm wichtig, dass möglichst viele Menschen möglichst schnell die erste Teilimpfung erhalten", so der Experte. Daten aus Israel zeigen bereits positive Ergebnisse. 14 bis 20 Tage nach der Teilimpfung mit Biontech/Pfizer gibt es eine Schutzrate gegen Infektion von 46 Prozent; 21 bis 27 Tage nach Immunisierung liegt diese bei 60 Prozent. Sieben Tage nach zweiter Teilimpfung liegt die Schutzrate bei 92 Prozent.

Das Vorgehen hätte potenziell große Auswirkungen auf das österreichische Covid-19-Impfprogramm. Ursprünglich sollte die zweite Teilimpfung der mRNA-Vakzine (Pfizer/BioNTech, Moderna) nach drei bzw. vier Wochen und bei AstraZeneca nach elf bis zwölf Wochen erfolgen.

"Das Ausreizen der möglichen Impfintervalle erlaubt Flexibilität und eine wesentlich raschere Animpfung der Bevölkerung mit der ersten Teilimpfung“, so Kollaritsch. Der Verzicht auf das Aufheben der zweiten Impfdosis für die bereits mit einer Dosis Geimpften, hätte den Effekt, dass bis zum 20. Juli bis zu zwei Millionen Personen in Österreich mehr erstgeimpft werden könnten.

Impfstoffe gut wirksam und verträglich

Wie der Mediziner betonte, seien alle derzeit zugelassenen SARS-CoV-2-Impfstoffe sehr gut wirksam, sicher und verträglich. Die Rate von Todesfällen und thromboembolischen Ereignissen (Beinvenenthrombose, Lungenembolie etc.) im zeitlichen Umfeld von Covid-19-Impfungen sei im Grunde im Rahmen der Häufigkeit, in der solche Ereignisse sonst auch in der Bevölkerung auftreten und sehr selten.

Für alle thromboembolische Komplikationen nach Impfung mit der Vektor-Vakzine von AstraZeneca gebe es kein "Signal" eines häufigeren Auftretens. Die Häufigkeit von Hirnvenenthrombosen (vor allem in Deutschland) liege bei Geimpften geringfügig über dem sonstigen Vorkommen solcher Erkrankungen, so Kollaritsch.

Laut seiner Berechnung hätte ein "Pausieren der Impfung für zwei Wochen in Österreich bei der gegenwärtigen epidemiologischen Situation die Inkaufnahme von zwölf verhütbaren Covid-19-Todesfällen und 34 Hospitalisierungen bedeutet."