Österreich hat gerade die Corona-Maßnahmen etwas gelockert, in Deutschland und anderen europäischen Ländern bereitet man sich darauf vor. Einer, der dies sehr skeptisch sieht, ist der deutsche Mediziner und SPD-Politiker Karl Lauterbach, der sich in der Corona-Pandemie als unaufgeregter, aber dringlicher Mahner zeigt und seine Aussagen stets mit Daten und Statistiken zu unterlegen weiß. Nun sagt er, dass die stufenweise Öffnung genau der falsche Weg sei.
Zumindest im österreichischen Schulöffnungsmodell sieht er eine halbwegs wirksame Methode, das Coronavirus in Schach zu halten: "Durch Kombination Antigentest 1x/Woche für Schüler und Lehrer plus Wechselunterricht lässt sich die Zahl der Schulausbrüche um 75% senken", so Lauterbach. Sorgen bereiten dem Experten aber die britischen und südafrikanischen Virus-Mutationen, sie wirken wie ein "Turbo-Coronavirus", so Lauterbach: "In 10 Tagen verdoppelt sich jeweils ihr Anteil. (...)Damit riskieren wir die 3. Welle in der Zeit, bevor Menschen unter 80 geimpft werden können."
In Deutschland geht Lauterbach von einer Wachstumsrate von 35 Prozent der Fälle pro Woche aus. Die Fallzahlen würden dabei zwar bis Ende Februar sinken, im März käme es aber zur dritten Corona-Welle, so Lauterbach auf Twitter. Die Entscheidung der Politik sei deshalb extrem schwer: "Bevölkerung erwartet Lockerung, weil Fallzahlen sinken. Epidemiologisch müssten wir sogar verschärfen, weil 3. Welle mit Turbo-Virus droht. Zusätzlich gefährden wir Impferfolg, weil bei B1351 Impfung weniger wirkt, Astra kaum", schreibt der Experte.
Und er mahnt eindringlich. "Die politisch schlechteste Lösung wäre: warten, bis die 3. Welle beginnt, weil dann die Bevölkerung reif für die schlechte Nachricht wäre. Das wäre falsch. Weil die verlorene Zeit nicht einholbar ist. Es bliebe nur Lockdown bis Ostern. Jetzt sind Mut und Transparenz gefragt", so Lauterbach. In einer von ihm geteilten Animation wird gezeigt, wie rasch sich die britische Mutation in Großbritannien ausgebreitet hatte.
"Noch viel bedeutsamer" sei es aber, die südafrikanische Mutation des Virus aufzuhalten. "Alle Impfstoffe wirken dort deutlich schwächer", so Lauterbach, daher seien auch Grenzkontrollen sehr wichtig. "Weil die erste Infektion eines Menschen vor der nächsten nicht immer schützt, der Körper aber vorgeschädigt sein kann. Gerade #LongCovid Patienten sollten auf jeden Fall geschützt und geimpft werden", so Lauterbach.