Experte warnt vor Teststraßen-Aus: "Sehr gefährlich"

Teststraße in Wien-Simmering
Teststraße in Wien-SimmeringHANS PUNZ / APA / picturedesk.com
Das Testangebot in Österreich wird über den Sommer reduziert, bleibt aber gratis. Einige Gemeinden wollen ihre Teststraßen komplett schließen.

Seit über einem halben Jahr gibt es in Österreich verschiedene Corona-Testangebote. In den ländlichen Gemeinden werden dafür oft Veranstaltungshallen genutzt, unzählige Freiwillige sind im Einsatz.

Über den Sommer soll das Angebot nun reduziert werden. In einigen Gemeinden sollen die Teststraßen aufgrund des Impffortschritts komplett verschwinden, berichtet das "Ö1-Mittagsjournal".

"Die große Infrastruktur dafür ist nicht notwendig, wenn sie nicht in Anspruch genommen wird", erklärt Gemeindebund-Generalsekretär Walter Leiss. Die Testmöglichkeiten in den Apotheken bleiben, auch in den Tourismusregionen wird es die Teststraßen weiterhin geben.

"Wissen nicht, was mit der Delta-Variante auf uns zukommt"

Wie das Gesundheitsministerium betonte, sind die Tests über den Sommer weiterhin kostenlos. Wie die Angebote in Zukunft aussehen sollen, werde intensiv beraten.

Städtebund-Generalsekretär Thomas Weninger sieht den Schritt angesichts der Verbreitung der Delta-Variante kritisch. Es sollten hier vor allem mehr PCR-Tests zum Einsatz kommen, ähnlich wie das Projekt "Alles gurgelt", welches nur in Wien angeboten wird.

Auch Epidemiologe Gerald Gartlehner hält ein Aus der Teststraßen für sehr gefährlich, wie er im "Ö1-Mittagsjournal" betont, "weil wir nicht wissen, was mit der Delta-Variante im Herbst auf uns zukommt."

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Grundsätzlich müssen ja Personen die voll geimpft sind, nicht mehr getestet werden. In Österreich haben bereits mehr als 50 Prozent der impfbaren Bevölkerung den Erststich erhalten. Dennoch meint Gartlehner müsse das Angebot auch für Geimpfte bestehen bleiben, wenn sie etwa Symptome entwickeln oder mit vulnerablen Gruppen in Kontakt treten. Die Nicht-Geimpften benötigen die Tests ohnehin für Gastronomie und Veranstaltungen.

Kostenlose PCR-Tests für Junge gefordert

Auch der Experte fordert einen Ausbau an PCR-Testungen und verweist hier auf die jüngere Generation, die in der Nachtgastronomie feiern oder Festivals besuchen will. Hier ist der Großteil noch nicht geimpft und genau für jene Besuche sollten gratis PCR-Tests zur Verfügung stehen.

Die Delta-Variante macht in Österreich ca. sechs Prozent der Infektionen aus. "In absoluten Zahlen ist das relativ wenig, aber so wie in anderen Ländern wird sie sich auch bei uns zunehmend verbreiten", betont Gartlehner.

Selbst in Israel, wo 60 Prozent voll geimpft sind, steigen die Infektionen aufgrund der Mutation wieder. "Wir müssen alles versuchen, um eine höhere Rate als Israel zu erreichen", so der Experte.

Laut dem Epidemiologen ist das Risiko, sich zu infizieren, bei vollständig Geimpften minimal: "Ein Restrisiko bleibt immer. In den USA erkrankten von 150 Millionen voll Geimpften 0,008 Prozent schwer an Covid. Meist handelte es sich um ältere Menschen, deren Immunsystem schwächer war."

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