Expertin alarmiert: "Sehen, wie Virus Zellen zerstört"

Elisabeth Puchhammer-Stöckl, Leiterin des Zentrums für Virologie MedUni Wien, in der ORF-"ZiB 2".
Elisabeth Puchhammer-Stöckl, Leiterin des Zentrums für Virologie MedUni Wien, in der ORF-"ZiB 2".Screenshot ORF
Corona geht weiter. Darauf weist Virologin Elisabeth Puchhammer-Stöckl hin – und wundert sich, dass manche die Impfung gefährlicher als Corona sehen.

Die Coronavirus-Infektionszahlen sind in den jüngsten Tagen wieder gestiegen, im Schnitt verzeichnet Österreich nun rund 1.845 tägliche Neuinfektionen. Gleichzeitig kämpfen auf den heimischen Intensivstationen derzeit 217 Corona-Patienten um ihr Leben. Dass Corona rund neun Monate nach den ersten Impfungen noch immer so stark sei, hätte sich Elisabeth Puchhammer-Stöckl, Leiterin des Zentrums für Virologie MedUni Wien, nicht gedacht, sagte sie am Donnerstag in der ORF-"ZiB 2".

Die Expertin war davon ausgegangen, dass mit dem Anlaufen einer großen Impfaktion Corona "ausgleitet", also immer mehr abflacht, wie sie schilderte. Grund dafür, dass es anders kam, sei laut Puchhammer-Stöckl eine "geringere Durchimpfungsrate, woran das liegt ist schwer zu beurteilen". Die Expertin ging davon aus, dass es auch "wahrscheinlich vielleicht" an einer falschen Einschätzung der Erkrankung liegen könnte.

"Das erschließt sich mir nicht"

"Die Erkrankung ist eine absolut schwere Sache", so die Virologin, "wir sehen im Labor, wie das Zellen zerstört". Sehr verwundert zeigte sich die Expertin deswegen darüber, dass es Menschen gebe, die die Erkrankung weniger gefährlich als Impfung sehen würden, "das erschließt sich mir nicht", so Puchhammer-Stöckl. Dass im Kampf gegen die Pandemie regionale Maßnahmen wirken würden, bestätigte die Virologin – das habe auch der starke Rückgang der Infektionen in Wien gezeigt, das einen Sonderweg mit strengeren Maßnahmen in der Pandemie verfolge.

"Wann, das hat sehr viel mit dem Alter zu tun"

"Mit Augenmaß" seien auch die Schultestungen sinnvoll, besonders warn sie das in der Startphase ins Schuljahr, so Puchhammer-Stöckl. Dadurch habe man viele Infektionen erkennen und abfangen können. Dass die täglichen Corona-Neuinfektionen zwar hoch seien, aber nicht explodieren würden, erklärte die Expertin so: Einerseits gebe es eine halbwegs hohe Durchimpfungsrate, andererseits auch vermutlich eine nicht zu unterschätzende Dunkelziffer, deswegen würden sich die Coronazahlen derzeit seitwärts und nicht steil nach oben bewegen.

Und wie sollen die geimpften Österreicher nun entscheiden, wann sie sich den dritten Stich holen? "Diese drei Teilimpfungen sind ein Konzept, das wir von anderen Impfungen kennen", so die Virologin, zwei Impfungen würden relativ knapp beieinander erfolgen, die dritte nach rund neun Monaten oder einem Jahr, damit das Immunsystem seine Arbeit tun könne. "Wann, das hat sehr viel mit dem Alter zu tun", so die Expertin, ältere Personen würden schneller an Antikörpern verlieren als jüngere. Im Einzelfall solle man sich deshalb an die Vorgaben des Nationalen Impfgremiums halten.

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