Mercedes hat – wie erwartet – die neue Formel-1-Saison mit einem Doppelsieg eröffnet. George Russell gewann den Grand Prix von Australien vor seinem Teamkollegen Andrea Kimi Antonelli. Motorsport-Fans fieberten dem ersten Rennen mit dem komplett umgekrempelten Reglement entgegen. Und viele zeigten sich enttäuscht. Es hagelte Kritik. Von den Fahrern, von Fans in sozialen Netzwerken, von Experten.
Zur Erinnerung: Seit dieser Saison wird rund die Hälfte der Motorleistung elektrisch generiert. Das DRS ist Geschichte, dafür stellen sich Front- und Heckflügel auf den Geraden flach, gibt es einen Boost-Knopf. Entscheidender ist, die elektrische Energie so effizient wie möglich einzuteilen. Aus dem Vollgas-Sport ist ein taktisches Fahren geworden, wo die Piloten teilweise auf der Gerade vom Gaspedal gehen müssen, um so die Elektro-Batterie aufzuladen.
Während sich einige Motorsportbegeisterte von der "Königsklasse" bereits abwenden, scheint das künstlich erzeugte Spektakel der neuen Rennserie bei anderen, vorwiegend Jüngeren, gut anzukommen. Ex-Pilot Hans-Joachim Stuck hält von der neuen Formel 1 allerdings wenig. "Spannung muss sein", sagte er gegenüber der "Tiroler Tageszeitung", ergänzte dann: "Das ,Wie´ ist halt die Frage. Ich bin ehrlich gesagt kein Fan von den Hybrid-Motoren. Für mich ist und bleibt die Formel 1 ein Vollgas-Sport."
Die Formel 1 feierte bereits dreimal so viele Überholmanöver wie vor einem Jahr. "Mich hat das Rennen nicht vom Hocker gerissen. Trotzdem muss man dem Ganzen jetzt einfach Zeit geben", meinte Stuck. Gleichzeitig konnte der Deutsche mit kritischen Aussagen der Formel-1-Piloten ebensowenig anfangen. "Man darf die Frage stellen: Werden Fahrer fürs Spaßhaben oder fürs Arbeiten bezahlt?"
Gerade Red-Bull-Star und Vierfach-Weltmeister Max Verstappen war ein besonders lauter Kritiker des Reglements. Er sprach von "Anti-Racing", von "Formel E auf Steroiden" und von "Mario-Kart-Fahren". Derweil scheinen FIA und Formel 1 auch auf die Kritik zu reagieren. Es könnte Änderungen am Elektromotor geben, vor allem, wie die Batterie aufgeladen werden kann. Und wie die Energie dann abgegeben wird. Dies könnte mit einfachen Software-Änderungen gelingen.