Facebook gründet Tribunal für gelöschte Postings

Immer wieder kommt es auf Facebook zu Disputen über möglicherweise fälschlich gelöschte Posts. Dem soll nun ein neues, unabhängiges Gremium entgegenwirken.

Immer wieder stellt Facebook Versuche an, gegen Fake News und Missinformation auf seiner Plattform anzukämpfen. Das hat sich besonders auch in Zeiten von Corona gezeigt, als Facebook begann, alle Posts zu löschen, die Falschinformationen zur Krankheit enthielten oder die Social-Distancing-Regeln verletzten. Aber auch hierbei gelingt es nicht in hundert Prozent der Fälle, falsche Posts aufzustöbern. Dafür trifft es auch immer wieder Posts, die eigentlich gar nicht gegen die Community-Regeln verstoßen oder keine Fake News enthalten.

In diesen Fällen ist es für Nutzer äußerst schwierig bis beinahe unmöglich, sich zu beschweren und den Entscheid rückgängig zu machen. Das will Facebook nun ändern und gleichzeitig den Prozess der Moderation transparenter machen. Wie das Unternehmen angekündigt hat, wird dafür ein Oversight Board gegründet, das für inhaltliche Entscheidungen zuständig ist.

20 Mitglieder bereits bekannt

Dieses neue Gremium bildet laut "Zeit" eine Art obersten Gerichtshof, der in Härtefällen urteilt. Die ersten 20 Mitglieder dieses Gremiums sind bereits bekannt. Darunter befinden sich beispielsweise die ehemalige dänische Premierministerin Helle Thorning-Schmidt, der frühere Guardian-Chefredakteur Alan Rusbridger, die Friedensnobelpreisträgerin Tawakkol Karman oder der kenianische Menschenrechtsaktivist Maina Kiai. Es sollen noch weitere 20 Mitglieder dazu stoßen.

Wann das Oversight Board seine Arbeit aufnimmt, ist noch nicht klar. Sobald das geschieht, werden sich Nutzer in Streitfällen aber an das Gremium wenden können. Eine Untergruppe des Boards entscheidet in einer ersten Instanz, welche Klagen überhaupt besprochen werden. Danach beschäftigt sich dann das gesamte Board mit dem Fall und urteilt darüber, ob ein Post zu Recht gelöscht wurde oder nicht. Dafür haben sie 90 Tage Zeit. Bei der Auswahl der Fälle sollen Inhalte, die möglicherweise viele User betreffen, bevorteilt werden.

Entscheidungen können nicht angefochten werden

Die Dänin Thorning-Schmidt sprach bei einer Pressekonferenz von einer "sehr sehr großen Mission". Bisher seien viele Entscheidungen von Facebook oder sogar Mark Zuckerberg selbst getroffen worden. Sie findet es richtig, dass dies nun geändert wird.

Tatsächlich werden die Mitglieder des Gremiums vollkommen unabhängig von Facebook handeln können. Sie werden nämlich nicht von Zuckerbergs Unternehmen angestellt und müssen somit auch nicht mit Konsequenzen für ihre Entscheidungen rechnen. Finanziert werden sie von einem Treuhandfonds von rund 130 Millionen Dollar. Außerdem können ihre Entscheidungen nicht angefochten werden, nicht einmal von Facebook oder Zuckerberg selbst.

Dass selbst ein solches Gremium nicht immer perfekt handeln kann, ist auch Mitglied Michael McConnell, Professor für Rechtswissenschaften an der Stanford Universität, bewusst. "Wir werden Fehler machen", sagte er während einer Pressekonferenz. "Alles, was ich versprechen kann, ist, dass wir aus ihnen lernen werden."

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