Frau verschwand rätselhaft

Michaela noch immer vermisst! Spuren nach 20 Jahren

Zwanzig Jahre nach dem Verschwinden von Michaela Grabner wirft ein neuer Fund Fragen nach Polizeiversäumnissen und Gerechtigkeit auf.
Österreich Heute
24.02.2026, 15:09
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"Wo bist du, mein geliebtes Kind?" – Diese Frage lässt die Mutter von Michaela Grabner seit zwanzig Jahren nicht los. Zwanzig Jahre ohne Antwort, ohne Gewissheit, ohne Gerechtigkeit. Am 15. Februar 2006 schickt Michaela ihrer Mutter noch eine letzte SMS, dann verliert sich ihre Spur. Was danach kommt, ist ein wahres Martyrium: Die schmerzliche Leere in der Familie und das Nichtwissen, was mit der jungen Klagenfurterin passiert ist. Wie kleinezeitung.at berichtet, wurde ein Gewaltverbrechen immer wahrscheinlicher – und es blieb die Frage: Hat die Polizei wirklich alles getan, um Michaela zu finden?

Michaela Grabner war damals 22 Jahre alt, arbeitete als Kellnerin und als Wohnungsprostituierte. Für die Ermittler offenbar Grund genug, dem Fall anfangs kaum Beachtung zu schenken. "Eine Milieugeschichte, nur eine Prostituierte", sagte ein Kriminalist 2006 zur Kleinen Zeitung. Die Faktenlage war jedoch brisant: Michaela wollte aussteigen und drohte ihrem Zuhälter, eine Affäre öffentlich zu machen. Der Mann hatte mit einer anderen Frau zwei Kinder. Kurz darauf war sie verschwunden.

Zuhälter im Fokus der Ermittler

Nach dem Verschwinden überschlugen sich die Ereignisse: Im November 2006 brannte das Haus ihres Zuhälters teilweise ab – laut Urteil war es Brandstiftung. Die Mutter von Michaela vermutete, das Feuer sollte Spuren vernichten, doch die Polizei ließ wertvolle Zeit verstreichen. Erst mehr als zwei Jahre später, im März 2009, suchten Ermittler im Haus nach persönlichen Gegenständen von Michaela – viel zu spät. Das war nicht die einzige fragwürdige Aktion: 2011 begann man mitten im Winter auf einem gefrorenen Acker, öffentlichkeitswirksam nach den sterblichen Überresten der jungen Frau zu graben. Zu diesem Zeitpunkt ging auch die Polizei von einem Tötungsdelikt aus. Im Zentrum der Ermittlungen: der Zuhälter.

Der Mann lebte auffällig – teure Autos, mehrere Frauen, prahlte mit Luxus. 2007 wurde er verhaftet, weil er an einem Mordkomplott gegen einen Konkurrenten beteiligt gewesen sein soll. Die Einvernahmeprotokolle zeigen, dass er immer wieder betonte, als Informant für die Kärntner Polizei gearbeitet zu haben. War er ein "geschützter" Informant? 2008 wurde er zu 30 Monaten Haft verurteilt. Doch nur wenige Monate nach seiner Inhaftierung setzte er sich während eines Freigangs nach Paraguay ab – mit seinem eigenen Pass. Über Facebook verspottete er die österreichischen Behörden: Die Flucht sei ein "Kinderspiel" gewesen.

Kriminalisten unterwegs in Paraguay

Österreich zeigte wenig Eile, den geflohenen Häftling und Mordverdächtigen aus Südamerika zurückzuholen. Bis ein internationaler Haftbefehl erlassen wurde, vergingen 14 Monate. 2010 wurde der Mann in Paraguay wegen Verdachts auf Doppelmord an einem Ehepaar festgenommen. Zwei Kärntner Kriminalisten reisten nach Paraguay, um ihn zum Verschwinden von Michaela Grabner zu befragen. Doch wie erwartet, ließ er sie abblitzen.

2012 wurde er schließlich auf Druck Österreichs ausgeliefert – allerdings nur unter der Bedingung, dass er in Österreich nicht wegen Mordes angeklagt wird. Zuerst verbüßte er seine Reststrafe. 2016 wurde er wegen Versicherungsbetrugs im Zusammenhang mit der Brandstiftung auf sein Haus 2006 verurteilt. Wegen der langen U-Haft konnte er das Gefängnis verlassen. Seitdem ist der Mann in Kärnten polizeilich nicht mehr aufgefallen. Die Ermittlungen wegen Mordverdachts wurden eingestellt. Es gilt die Unschuldsvermutung.

E-Card und Handtasche gefunden

Nach Jahren des Stillstands brachte das Jahr 2024 eine überraschende Wendung: In der Glan, nicht weit vom Klinikum Klagenfurt, wurde Michaela Grabners Handtasche samt E-Card gefunden. Der Fundort liegt ganz in der Nähe zu früheren Bordell-Wohnungen ihres Zuhälters. Laut Polizei dürfte die Tasche "seit ewigen Zeiten" im Schlamm gelegen haben. Damals war das Gebiet rund um das Projekt "LKH neu" eine riesige Baustelle – sogar der Flusslauf der Glan wurde verlegt.

Auch wenn schon zwanzig Jahre vergangen sind: Der Fall Michaela Grabner ist nicht vergessen. Jede kritische Aufarbeitung ist eine Chance, das Dickicht an Versäumnissen doch noch zu durchbrechen. Denn für Wahrheit und Gerechtigkeit ist es – selbst nach zwei Jahrzehnten – niemals zu spät.

{title && {title} } red, {title && {title} } 24.02.2026, 15:09
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