"Famicom Detective Club" im Test: Spürarbeit für Switch

Gleich zwei Famicom-Klassiker der "Detective Club"-Reihe sind als Remakes auf der Nintendo Switch erschienen. Ein Spaß für Spürnasen ist garantiert. 

Im neuen "Famicom Detective Club"-Titel für die Nintendo Switch verstecken sich in Wirklichkeit gleich zwei Games. Sowohl "Famicom Detective Club: The Missing Heir", als auch "Famicom Detective Club: The Girl Who Stands Behind" gelten als spielbare Visual Novels. Bedeutet: Die Story steht im Mittelpunkt. Der Spieler hat zwar einige Handlungs-, Gesprächs- und Interaktionsmöglichkeiten, erlebt aber im Kern ein spielbares Buch, dessen Geschichte sich nur geringfügig verändert.

Während diese Spiele vor allem in Japan seit Jahren aus den Entwicklerstudios sprießen, gelangen die wenigsten davon nach Österreich – der Großteil bleibt sogar gänzlich unbekannt. Schön, dass Nintendo dies nun offenbar mit der neuen "Famicom Detective Club"-Box zumindest etwas ändern will. Es sind gleichzeitig die ersten Spiele der Serie, die in Europa erscheinen. Trotz Überarbeitung bleibt die Sprachausgabe der Sammlung auf Japanisch, Untertitel gibt es nur auf Englisch.

Da hilft nur Ermittlungsarbeit

Den Auftakt der Serie machte in Japan "The Missing Heir". Darin übernimmt der Spieler die Rolle eines jugendlichen Detektivs, der ohne Erinnerung an seine Vergangenheit am Fuß einer Klippe in einer ländlichen Gegend in Japan aufgefunden wird. Mithilfe der Detektivassistentin Ayumi Tachibana entschlüsselt man dann, dass der Protagonist den Tod einer wohlhabenden alten Dame aufklären sollte. Doch auch wenn es genug reale Verdächtige im Umfeld der Toten gibt, kommen auch noch Geister- und Gespenster-Sichtungen hinzu. Da hilft nur noch eiskalte Ermittlungsarbeit. 

Teil 2, "The Girl Who Stands Behind", spielt zeitlich vor den Geschehnissen von "The Missing Heir" und bietet den Spielern denselben Protagonisten. Wieder bringt uns das Schicksal schnell mit Ayumi zusammen, denn die findet ihre Freundin Yoko tot auf. Yoko war nicht nur die Gründerin des Detektivclubs und wurde eindeutig ermordet, sie war auch gespenstischen Geschehnissen auf der Spur und nahm dabei selbst immer unheimlichere Züge an. Gleichzeitig versucht unser 17-jähriger Detektiv, dem wir in den Spielen selbst einen Namen geben dürfen, seine verschwundenen Eltern zu finden.

Viel Lesearbeit, die sich auszahlt

Traditionell wird die Geschichte der Games zwar auch über Bilder und Videosequenzen erzählt, den Großteil der Handlung tragen aber Texteinblendungen und Dialoge. Der Spieler kann nach und nach immer mehr Schauplätze bereisen, die sich, einmal freigeschaltet, fast frei auswählen lassen. An Tatorten sammelt man dabei Beweise und Indizien, Befragungen von Zeugen und Verdächtigen fördern neue Hinweise zu Tage. Will man in der Handlung vorankommen, gilt es, die Items und Informationen geschickt in den Gesprächen mit den Nebenfiguren einzusetzen.

Die Schauplatz-Suchen laufen dabei recht simpel ab. Meist handelt es sich um starre Bilder, auf denen einfach mit dem Cursor nach Besonderheiten gesucht und diese angetippt werden. Abseits davon lassen sich Figuren "heranrufen" und befragen sowie mit Ungereimtheiten oder Beweisen konfrontieren. Nutzt alles nichts mehr, gibt es eine Art "Nachdenk"-Funktion, bei der man in Gesprächen noch einmal das bisher Ermittelte als Zusammenfassung durchgehen kann. So auch nach jedem Spieltag: Hinweise werden durchforstet, Schlüsse gezogen. Gesammelte Infos werden übrigens automatisch in einem Notizbuch gespeichert.

Titel nehmen sich kein Blatt vor den Mund

Beide Games zeigen trotz des ruhigen Erzählstils und dem hohen Krimi-Anteil aber auch überraschende Inhalte, die von deutlich sexuell angehaucht bis hin zu düsteren Selbstmord-Gedanken reichen. Selten, aber doch, wird man auch vom einen oder anderen Jumpscare am falschen Fuß erwischt und schreckt ordentlich zusammen. Obwohl beide Games gemeinsam überarbeitet wurden, zeigen sie zudem einige Unterschiede, sowohl bei der Steuerung, als auch beim Gameplay. Am auffälligsten: Einige Optionen wie das "Nachdenken" funktionieren zwar ident, sind aber jeweils anders betitelt. Außerdem besitzen nun beide Titel Chrakter- und Gesichts-Animationen, die bei Teil 1 holprig und bei Teil 2 fantastisch wirken.

Auch das Notizbuch macht einen Wandel durch: Wird es in Teil 1 gerade einmal als Gedankenstütze für unaufmerksame Spieler zur Verwendung kommen, muss man Begriffe darauf in Teil 2 entweder in Sätze einbauen oder sie aus einer Liste auswählen, um zur richtigen Aussage zu gelangen. Und schließlich zeigt sich Teil 1 trotz vieler Interaktions- und Gesprächs-Optionen als sehr geradliniger Titel, während sich in Teil 2 je nach gewählter Option schon einmal ein paar Geschehnisse verändern. Einen allzu großen Wiederspielwert gibt es allerdings nicht, denn beide Games bieten nur ein Ende, nicht mehrere.

Trotz neuer Technik bleibt einiges retro

So sehr sich die Grafik und die Wiedergabe der Games im Vergleich zu ihren Originalen gewandelt haben, manches haben die Remakes nicht abgelegt. Dazu zählt eine nicht weiter störende, aber ungewohnte Bedien-Struktur. Ein gefundener Zettel etwa taucht nicht einfach lesbar am Bildschirm auf, sondern muss erst aufgesammelt, mit einem zweiten Befehl im Inventar verstaut, mit einem dritten Button-Druck wieder aufgerufen und dann mit einer Menüpunkt-Auswahl erst gelesen werden. Das kommt dem recht ruhigen Spielerlebnis zugute, überrascht aber Kenner moderner Visual Novels oder Adventures.

Auch gespeichert wird trotz automatischen Saves sehr unzuverlässig, manuelles Speichern bleibt Pflicht. Doch zurück zu den Neuerungen: Statt der Original-Musik kann man nun auch einen modernen Soundtrack wählen, Optionen wie ein schnelles Vorspulen von Dialogen lassen sich aktivieren und die Grafik sieht insgesamt wie aus einem Weltklasse-Anime aus. Spieler sollten sich jedenfalls bewusst sein, auf was sie sich bei "Visual Novels" einlassen. Wer das Genre aber mag, bekommt mit der "Famicom Detective Club"-Sammlung zwei echte Spiele-Perlen serviert. Fehlt eigentlich nur noch Teil 3 der Reihe.

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