Österreich

Tödliche Bisse: Hund fiel schon früher Menschen an

Heute Redaktion
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Viele offene Fragen nach dem tödlichen Hundeangriff in Wr. Neustadt. Die Familie wirft vor: Der ältere Hund schnappte schon mal zu, warum fressen "Schutzhunde" ihre Opfer?

Nach der tödlichen Hundeattacke in der Flugfeldkaserne in Wr. Neustadt gibt Anwalt Erich Gemeiner, in Abstimmung mit der Familie, schonungslose Einblicke in den Akt und wirft Fragen auf:

Warum fiel das Fehlen des Hundeführers stundenlang nicht auf? Dominik R. (31) dürfte zwischen 16 und 18 Uhr getötet worden sein. Trotz Rundganges und zweimaliger, erfolgloser Kontaktaufnahme des Hundebesitzers mit dem Opfer (Anm.: war auf Übung in der Steiermark, rief um 17.59 Uhr Dominik R. an und schrieb um 22.40 Uhr eine WhatsApp-Nachricht) wurde nicht Alarm geschlagen.

Laut Bundesheer ist der Zwingerbereich schwer einsehbar, der Tote wäre auch untertags nicht entdeckt worden. Denn laut Bundesheer waren die Zwinger zunächst in der "Max-Kaserne" im Stadtbereich, nach Anrainerbeschwerden wurden die Zwinger aufs Flugfeld verlegt. Und vor den Zwingern ist ein großer Erdhügel.

Der jüngere Schäfer (Ragna) war kein Militärhund, war er somit illegal im Zwinger? Der knapp acht Monate alte Schäfer (geboren Ende März 2019) war wegen einer Bisssperre nicht für den Militärdienst geeignet, hätte nur nach einem bewilligten Antrag des Hundeführers im Zwinger sein dürfen. Es wurde aber kein Antrag gestellt. Das Heer bestraft jetzt den Besitzer der zwei Schäfer (der ja bei einer Übung in der Steiermark war, Anm.). Ihn erwartet ein Disziplinarverfahren.

Hund schnappte schon mal zu

Der ältere Hund "Hati" biss schon mal zu? Ja, im Februar 2019. Dabei wurde der Ausbildner als Feind dargestellt, Hati war angeleint und schnappte zu. Laut Heer wurde der Ausbildner dabei nicht verletzt.

Was geschah nach der Tat? Der Tote lag halbnackt und zerfleischt im Zwinger, war stellenweise abgenagt. Dies will das Heer nicht kommentieren. Anwalt Erich Gemeiner: "Warum zerfetzen Militärhunde ein Opfer derart?"

Einflussnahme?

Nimmt das Heer Einfluss auf die Aussagen der Zeugen? Laut Familie ja, denn die erste Aussage und zweite Aussage des Leichenfinders sollen different sein. Der Heeressprecher dazu: "Nein, denn dies wäre strafbar."

Warum ist die Absicherung des Hundebereichs dilettantisch und stellt laut Anwalt eine Gefährdung für sämtliche Personen in und außerhalb der Kaserne dar? Wie bereits oben erwähnt, waren die Zwinger früher im Stadtgebiet. Es gibt eine innere Zwingeranlage, welche unterteilt ist (1. Teil für Diensthunde, 2. Teil für Privathunde wie eben Ragna). Der äußere Teil ist für den Auslauf der Hunde.

Kannte Dominik R. beide Hunde? Mit Hati hatte der 31-Jährige schon öfters gearbeitet, mit Ragna allerdings noch nie.

Wie berichtet fordert die Familie des Toten lückenlose Aufklärung, Anwalt Erich Gemeiner fordert die Einholung eines Sachverständigengutachtens aus dem Bereich Tierpsychologie und Veterinärmedizin.