Fan-Aufstand nach Sendungs-Aus von ORF-Legende

Moderator Reinhard "Pirni" Pirnbacher mit Schlagerlegende Michael Holm ("Tränen lügen nicht")
Moderator Reinhard "Pirni" Pirnbacher mit Schlagerlegende Michael Holm ("Tränen lügen nicht")Dobmedia
Nach 15 Jahren moderierte Reinhard Pirnbacher zum letzten Mal die "Plattenkiste" auf ORF Salzburg. Fans laufen gegen das Aus der Radiolegende Sturm.
von
Jochen Dobnik

Nach 862 Sendungen war plötzlich Schluss. Viele Zuhören waren verwundert, als am 29. März plötzlich nicht mehr wie gewohnt um kurz nach 17 Uhr weder die Signation von "Pirni's Plattenkiste" noch ihre geliebten Schlager auf Radio Salzburg zu hören waren. Offiziell wurde Pirnbacher mit 69 Jahren in Radio-Pension geschickt. Doch hinter den Kulissen brodelt es.

"Der Lauf der Zeit"

"Weshalb der ORF die Sendung [lief seit Oktober 2005] abgesetzt hat, wissen wir nicht. Die 'Plattenkiste' hatte trotz der unattraktiven Sendezeit am Sonntagnachmittag hervorragende Einschaltquoten, auch in den anderen Bundesländern und vor allem auch im Ausland", ärgert sich Co-Moderatorin und Ehefrau Edith Schiller. "Pirni's Plattenkiste" beinhaltet mehrere 100.000 Schlager mit Juwelen aus dem letzten Musikjahrhundert.

"Das ist der Lauf der Zeit", schreibt Christopher Pöhl, Programmchef von Radio Salzburg, in einem Mail, welches "Heute" vorliegt. "Herr Pirnbacher wurde von Landesdirektor (Christoph) Takacs sehr frühzeitig - nachweislich schriftlich bereits im August 2018 - [...] in Kenntnis gesetzt, dass eine weitere Verlängerung seiner Tätigkeit [...] über den 1.4.2020 nicht möglich ist. Diese Tatsache hat Herr Pirnbacher [...] bis heute unwidersprochen zur Kenntnis genommen, weshalb von einer Absetzung der Sendung keine Rede sein kann." 

Keine Abschiedssendung

"Dieses Schreiben hat er niemals erhalten", ärgert sich Schiller. Das ORF-Urgestein hätte Mitte Februar durch Zufall von seinem baldigen Aus erfahren – "eine Moderatorenkollegin hatte einen Dienstplan für März am Tisch liegen, wo draufstand 'Pirnis letzte Plattenkiste'. Er erfuhr von der Einstellung der Sendung, als er beim Programmchef nachbohrte. Scheinbar wussten andere schon Bescheid, nur derjenige nicht, den es betraf."

Screenshot Facebook / Pirnis Plattenkiste - Museumsradio

Seine letzte Sendung Ende März durfte "Pirni" nicht mehr moderieren, als Begründung werden von Pöhl "Sicherheitsgründe" aufgrund der Corona-Krise genannt. Die von der Direktion angekündigte Abschiedssendung hat es - bis jetzt - nicht gegeben, "auf diese Weise gab es nicht einmal eine Möglichkeit, sich von tausenden treuen Fans zu verabschieden", bedauert Schiller.

Enttäuschung ist groß

Im Dezember sah die Welt noch anders aus – damals warb der ORF noch für die Hörerreise im Mai 2020 mit der "Plattenkiste" nach Sardinien. Umso überraschender war es für den 69-Jährigen, als keine zwei Monate später auf den Dienstplänen seine letzte Schlager-Sendung angekündigt wurde.

"Es hatte niemals ein Zerwürfnis mit Kollegen oder einem Vorgesetzten gegeben, daran kann es sicherlich nicht liegen. Dass dem großen ORF mit seinen Hörergebühren zwischen 900 und 1.000 EUR pro Monat als Honorar für 'Pirni' zu viel waren, ist wohl auch nicht anzunehmen. 'Pirnis' Alter sicherlich auch nicht, denn andere Moderatoren beliebter Sendungen (Sepp Forcher, Peter Rapp z.B.) waren bedeutend älter als sie immer noch vor der Kamera standen", ärgert sich die Moderatorin, die seit 10 Jahren mit dem leidenschaftlichen Musik-Liebhaber verheiratet ist. 

Pirni sendet im Internet weiter

Eine Rückfrage beim Zentralbetriebsrat des ORF blieb bislang unbeantwortet. "Ein solcher 'Dank' für mehr als 20 Jahre engagierte Mitarbeit für das Unternehmen und auch Loyalität gegenüber dem ORF ist überaus ernüchternd", zeigt sich Schiller enttäuscht. 

Kurz nach der letzten Sendung starteten Fans die Online-Petition "Pirnis Plattenkiste darf nicht eingestellt werden", auch Schlager-Stars wie Michael Holm bedauern das Sendung-Aus.

Doch "Pirnis Plattenkiste" bleibt weiterhin geöffnet - "auf zwei Internetstreams und inzwischen bereits über drei verschiedenen Rundfunksendern, der Inn-Salzach-Welle in Bayern, der Musikwelle in Niederösterreich und der Hoamatwelle zwischen München, Ingolstadt und Augsburg. Pirni hat seine Plattenkiste zwar woanders hinschleppen müssen, aber leer geräumt ist sie noch lange nicht."

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