Fehlende Drittimpfung fordert ihre ersten Opfer

Die Schweiz verzögert die Zulassung der Booster-Impfung, obwohl die Todeszahl bei den Geimpften steigt. Experten und Angehörige klagen an.

Eine TV-Kamera hielt den Moment fest, als Alice Schmidli-Amrein im Dezember 2020 in Kriens die erste Dosis des Impfstoffs von Pfizer/Biontech erhielt. Heute, neun Monate später, ist sie tot, gestorben an Covid-19. "Hätte meine Mutter eine Booster-Impfung bekommen, wäre sie jetzt noch am Leben", sagt ihr Sohn Jack Schmidli in der "SonntagsZeitung" und beruft sich dabei auf Daten aus Ländern wie Israel, wo Pfizer-Geimpfte nach sechs Monaten einen Booster-Shot erhielten.

Tatsächlich häufen sich in der Schweiz seit Anfang September die Impfdurchbrüche: 40 Personen verstarben trotz Impfschutz mit Pfizer/Biontech, 12 trotz jenes mit Moderna. Zum Vergleich: Im gleichen Zeitraum starben 144 Menschen an Covid-19, die nicht geimpft waren. Doch während die meisten Nachbarländer inzwischen älteren Personen eine Drittimpfung empfehlen, zögern laut der Zeitung die Schweizer Behörden: "Ob und für wen eine Auffrischimpfung allenfalls notwendig wäre, steht zum heutigen Zeitpunkt noch nicht fest", heißt es beim Bundesamt für Gesundheit.

Diese Haltung stößt zunehmend auf Unverständnis. Ex-Taskforce-Mitglied Dominique de Quervain schrieb diese Woche: "Die wissenschaftliche Evidenz für den Nutzen der Booster-Impfung kann von der Schweizer Impfbehörde kaum länger ignoriert werden." Der Infektiologe Huldrych Günthard vom Unispital Zürich sagte vor einer Woche in der "SonntagsZeitung": "Ich verstehe wirklich nicht, worauf wir noch warten. Die Daten sind eindeutig, vor allem bei den älteren Leuten, die zuerst geimpft wurden."

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