Spieletests

"Fernbus-Simulator" im Test – noch eine weite Reise

Nicht nur mit dem Bus durch Europa rollen, sondern sich selbst ans Steuer setzen? Das macht "Fernbus Simulator" jetzt auch Next-Gen-Konsolen möglich.

Rene Findenig
Der "Fernbus Simulator" fährt nun auch auf Next-Gen-Konsolen ab. Und durch menschenleere Schauplätze.
Der "Fernbus Simulator" fährt nun auch auf Next-Gen-Konsolen ab. Und durch menschenleere Schauplätze.
Aerosoft

Publisher Aerosoft sowie die Entwickler TML-Studios und Zero Games Studio haben den "Fernbus Simulator" bereits 2016 für den PC veröffentlicht, jetzt schaffte er auch den Sprung auf die PlayStation 5 und Xbox Series X|S. Zum Preis von 40 Euro gibt es im Port enthalten auch die zahlreichen Karten-Erweiterungen für Europa. Und auch sonst wird fest die Werbetrommel gerührt: eine Kooperation mit Flixbus, Multi-Stopp-Routen, Nachtfahrten, 100 Städte in ganz Europa, verschiedene Tages- und Jahreszeiten, Baustellen und verschiedenste Bus-Modelle sollen die Next-Gen-Konsolenspieler lange bei Laune halten.

Das Autobahn- und Landstraßennetz im Simulator umfasst laut den Machern über 50.000 Kilometer und es spielt sich nicht nur hinter dem Steuer ab. So dürfen wir unseren Bus auch verlassen, ein detailliertes Fahrzeug-Cockpit bestaunen, animierten Fahrgästen beim Ein- und Aussteigen zusehen, ihnen Tickets verkaufen und Durchsagen tätigen. Klingt nach viel Umfang für ein Spiel und ist es auch. Nicht verbergen kann die Simulation aber, dass es sich zum größten Teil um einen simplen Port des PC-Originals auf Konsole handelt und man sich alles selbst beibringen muss. Und auch einige technische Probleme gibt es.

Selbst ist der virtuelle Busfahrer – so gut wie immer

Starten wir bei der Bus-Auswahl, denn die ist mit Fahrzeugen der Unternehmen Man, Neoplan und Scania recht begrenzt. Weiter geht es mit der Kampagne, in der wir uns eigentlich ein langsames Heranführen an das Gameplay erwartet hätten. Doch es kommt anders: Als virtueller Busfahrer wird man direkt ins Geschehen geworfen, bekommt nur eine grobe Übersicht über die Ziele und muss sich seine Routen gleich mal selbst planen, obwohl man noch gar nicht richtig weiß, wie das geht. Gleiches gilt für das Fahren: Um zu verstehen, wie man den Bus überhaupt startet oder lenkt, muss man sich erst einlesen. 

    Starten wir im "Fernbus Simulator" bei der Bus-Auswahl, denn die ist mit Fahrzeugen der Unternehmen Man, Neoplan und Scania recht begrenzt. Weiter geht es mit der...
    Starten wir im "Fernbus Simulator" bei der Bus-Auswahl, denn die ist mit Fahrzeugen der Unternehmen Man, Neoplan und Scania recht begrenzt. Weiter geht es mit der...
    Aerosoft

    Selbst ist der virtuelle Busfahrer – so gut wie immer. Ein Tutorial, das uns zum Fahrer ausbildet, gibt es nämlich nicht. Stattdessen graben wir uns durch Menüs, die eher dürftig zusammengeschustert wurden, bis wir das Nötigste zum Fahren und zur Streckenplanung herausgelesen haben. Es verhält sich wie mit so vielem: Die spielerischen Freiheiten wären da, die Möglichkeiten bleiben aber vollkommen ungenutzt. Schon eine kleine Anleitung hätte Wunder bewirkt. Das Rätseln, was man eigentlich wie und wann zu tun hat, geht aber auch weiter, nachdem der Bus endlich von seinem Startort abgerollt ist.

    Viele Chancen, aber fast ebenso viel verpasste

    Der Kern des Games, das Fahren, spielt sich dabei gar nicht so schlecht. Der Bus wird per Schultertasten beschleunigt und abgebremst und per Stick gelenkt – sein Fahrverhalten gibt gut das Gewicht des tonnenschweren Fahrzeugs wieder. Als Anfänger dürfen wir zudem ein Automatik-Getriebe wählen, Profis dürfen die Gänge aber auch manuell durchschalten. Außerdem lassen sich die Lichter und Scheibenwischer sowie Hupe des Busses betätigen und allerlei Innenraum-Funktionen wie WLAN, Heizung, Klimaanlage und Fenster steuern. In der Theorie wiederum wunderbar, in der Praxis mit Ärger verbunden.

    Cool ist nämlich, dass die Fahrgäste nicht nur still herumsitzen, sondern wie im reale Leben Bedürfnisse haben. Da meldet sich gerne ein Influencer und bittet uns, das WLAN im Bus zu kontrollieren oder einer älteren Dame ist es etwas kalt, weshalb wir die Heizung aufdrehen sollen. Aber: Wie das geht, wissen wir natürlich wieder nicht. Statt die Schalter und Instrumente des Busses mit kleinen Hinweisen zu versehen, machen es uns die Entwickler wiederum schwer – und schicken uns bei jedem neuen Anliegen in die unattraktiven Menüs, wo wir nach den Bedienmöglichkeiten lang und breit suchen müssen.

    "Fernbus-Simulator" im Test – noch eine weite Reise

    Der Eindruck der vorhandenen, aber vergebenen Chancen setzt sich auch außerhalb des Busses fort. Dort nämlich gibt es jede Menge anderer Verkehrsteilnehmer, für die wir offenbar fast nicht vorhanden sind. Brav halten sie an Kreuzungen und beim Abbiegen hinter unserem Bus an, bei voller Fahrt wiederum schneiden sie uns beim Überholen den Weg ab, machen selbst keinen Millimeter Platz oder blockieren die Spuren ohne ersichtlichen Grund. Das alles wäre noch annehmbar – wenn nicht die fremden Fahrzeuge teils aus dem Nichts aufploppen und genauso schnell bei etwas Abstand wieder verschwinden.

    Technisch setzt sich ein sehr zwiegespaltener Eindruck fort. Verbesserungen auf Next-Gen-Konsolen gibt es maximal kosmetischer Natur durch etwas mehr Details wie Bodenrillen und Risse im Asphalt sowie neuen Beleuchtungseffekten und schärferen Hintergründen, das Spiel leidet zum Start aber unter jeder Menge Pop-ups, einer von scharf auf verwaschen aussehenden Straße und recht so gut wie menschenleeren Städten. Immerhin: Mit dem Gamepad steuert sich der Bus streckenweise ganz gut. Dem 2016er-Original können wir es verzeihen, auf Konsole hat der "Fernbus Simulator" aber noch eine weite Reise vor sich.

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