Im Zuge der tödlichen Großbrände im US-Bundesstaat Kalifornien ist die Zahl der Vermissten dramatisch angestiegen. Nach neuesten Behördenangaben ist der Verleib von 631 Personen im Norden des Staats unklar. Zuvor war die Polizei von 200 Vermissten ausgegangen.
Die Zahl erhöhte sich nach einer jüngsten Zählung, wie der Sheriff von Butte County, Kory Honea sagte. Zum sprunghaften Anstieg der Vermisstenzahl sagte Honea, Ermittler hätten unter anderem Notrufe nach dem Ausbruch des Waldbrandes vor einer Woche ausgewertet. Es habe ein "außerordentliches Chaos" geherrscht.
Beim "Camp"-Feuer im Norden des Bundesstaats stieg zugleich auch die Zahl der Toten bis Donnerstagabend auf 63, da im Laufe des Tages sieben weitere Leichen entdeckt wurden. Dies sind mehr Tote als je zuvor bei einem Feuer in dem Bundesstaat seit Beginn der Aufzeichnungen.
Vom Ort Paradise blieben nur qualmende Ruinen übrig. Hunderte von Helfern in weißen Schutzanzügen und speziell ausgebildete Spürhunde suchten in den Trümmern weiter nach möglichen sterblichen Überresten.Im Süden Kaliforniens bei Malibu nordwestlich von Los Angeles wütet weiter das "Woolsey"-Feuer. Dort belief sich die Zahl der Todesopfer bislang auf zwei. Insgesamt starben bislang also 65 Menschen durch die verheerenden Feuer.
Gefahr von Gift in der Luft
Eines der zerstörerischen Woolsey-Feuer könnte ein Atomreaktor-Versuchsgelände erreicht und dabei die Luft mit giftigen Stoffen verseucht haben. Die Vereinigung "Ärzte für Soziale Verantwortung" (PSRLA) hat diesbezüglich auf einen Tweet des Journalisten Stu Mundel aufmerksam gemacht. Darauf sind dicke Rauchwolken des Feuers zu sehen. Gemäss PSRLA sind die Flammen nur rund 900 Meter von der Stelle entfernt, an der sich im Jahr 1959 ein Atom-Unfall ereignet hat.
"Wir wissen, welche Stoffe sich auf dem Gelände befinden und wie gefährlich sie sind. Wir sprechen von unglaublich gefährlichen Radionukliden und giftigen Chemikalien wie Trichlorethylen, Perchlorat, Dioxinen und Schwermetallen", sagt Dr. Robert Dodge in einem Statement gegenüber "The Independant". Laut den Behörden sei die Gefahr von giftigen Stoffen in der Luft aber nicht größer als bei einem normalen Flächenbrand. PSRLA weist dies als unverantwortliche Behauptungen zurück.
Im Jahr 1959 war ein Experiment mit radioaktivem Matierial im Santa Susana Field Laboratory, 48 Kilometer nördlich von Los Angeles, ausser Kontrolle geraten. Es kam zu einer partiellen Kernschmelze. Seit Jahren wird der Kampf um die Dekontamination geführt. Anwohner machen das Geschehen für grassierende Krankheiten verantwortlich. (red/20M/sda)