Dass Fieber die Abwehr im Körper beschleunigt, weiß man schon lange. Wie genau das aber abläuft, ist immer noch nicht ganz klar und wird weiter erforscht. Einer, der sich damit auskennt, ist Stefan Wieser vom Institut für Zoologie an der Uni Innsbruck.
Wie orf.at berichtet, hat Wieser schon vor rund zehn Jahren gezeigt, dass die Temperatur im Körper direkte Auswirkungen auf spezielle Abwehrzellen hat. Je wärmer es wird, desto flotter bewegen sich diese Zellen. Damals war aber noch nicht bekannt, was da auf kleinster Ebene genau passiert.
Um das herauszufinden, hat Wieser gemeinsam mit seinem Team nicht nur Zellkulturen, sondern auch lebende Tiere wie Zebrafische und Mäuse untersucht. Die Ergebnisse wurden jetzt im Fachblatt "Developmental Cell" veröffentlicht.
Fieber ist keine Krankheit, sondern eine natürliche und sinnvolle Abwehrreaktion des Körpers auf Infektionen oder Entzündungen. Dabei wird die Körpertemperatur vom Gehirn (Hypothalamus) aktiv erhöht, um Krankheitserreger wie Viren und Bakterien zu bekämpfen.
Die Forscher haben festgestellt, dass sich die Immunzellen bei höherer Temperatur bis zu zehnmal schneller bewegen. Innerhalb kürzester Zeit sind dann viele weiße Blutkörperchen in den Lymphgefäßen angekommen. Die Leukozyten reagieren schon nach wenigen Sekunden auf den Temperaturanstieg.
Dabei haben die Forschenden auch einen entscheidenden Stoff gefunden: ein bestimmtes Eiweiß, das nicht nur in Muskeln, sondern auch in den Abwehrzellen vorkommt – das sogenannte "Motor-Protein Myosin II". Wenn es im Körper wärmer als 37 Grad wird, kann dieses Protein viel mehr Kraft aufbringen und sorgt so dafür, dass sich die Immunzellen schneller fortbewegen. Für Wieser ist Myosin II damit der Hauptgrund für eine starke Abwehrreaktion.