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FIFA 17 im Test: Warum der Storymodus enttäuscht

Das lange Warten hat endlich ein Ende! Am 29. September 2016 hat EA Sports FIFA 17 veröffentlicht.

Heute Redaktion
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Diesmal ist zwar nicht Leo Messi am Cover, dafür lockt das Game mit einigen spannenden Änderungen und Neuigkeiten. Besonders der Story-Modus sticht heraus - und enttäuscht.

Wenn man frühe FIFA 17-Kritiken liest, dann wird oft bemängelt, dass im Spiel immer wieder die selben Situationen auftreten. Bei FIFA 17 ist dies aber überhaupt nicht der Fall. In der Defensive regiert teilweise der Zufall, immer wieder verspringt den Spielern ein Ball oder der Goalie schüttet sich an.

Klar ist das in Hochglanz-Partien wie zum Beispiel Real Madrid gegen Bayern München nicht so oft der Fall, aber wir haben uns extra ein paar Spiele in der Österreichischen Bundesliga gegeben und bei Altach gegen Rapid oder Matterburg gegen Austria entfaltet sich erst die wahre Power der neuen Engine. Die Abläufe wirken runder, die Spieler fühlen sich einfach echt an. Mit der neuen intelligenten Situationserkennung ist es zum Beispiel nicht mehr so einfach, seinen Gegenspieler zu überlaufen, da muss man sich schon trickreich durchsetzen oder das Kombinationsspiel ankurbeln.

Neue Standard-Engine

Ebenfalls neu ist die Mechanik bei Standard-Situationen. Neu ist hierbei, dass man mit einem Cursor den Ball in eine gewisse Region des Strafraums zirkeln kann. Wenn man dann auch noch die richtigen Laufwege und die richtige Stärke bei der Flanke wählt, dann klingelt es schon. Auch Freistöße und Elfmeter haben einen neuen Anstrich bekommen und wollen nach einigen Jahren wieder neu erlernt werden.

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Grafisch war FIFA immer schon top, dennoch holt die neue Engine noch mehr Realismus heraus. Die Stadien wirken viel dynamischer, Fangesänge peitschen uns besser denn je nach vorne. Auch das Aussehen der Spieler ist schon sehr nah in der Realität. Wenn nur kurz auf das TV-Gerät blickt, ist es mittlerweile schwer, FIFA 17 von einer echten Fußball-Übertragung zu unterscheiden.

The Journey ragt heraus

Herausragend ist der neue Story-Modus rund um den jungen Engländer Alex Hunter. Mit dem Stürmer macht man in "The Journey" die ersten Schritte eines Premier League-Profis und erlebt Höhen und Tiefen. Zu viel wollen wir hier nicht verraten, weil wir jedem Spieler diesen Modus unbedingt ans Herz legen wollen.

Alles beginnt in der Jugendabteilung von eine Premier League-Klub eurer Wahl, mit eurem Großvater als großem Förderer. Man muss sich in der Folge durch gewisse Trials kämpfen, um einen Profi-Vertag zu bekommen.

Jede Entscheidung, die man entweder abseits des Rasens oder auf dem Platz selbst trifft, hat Auswirkungen auf die Entwicklung. Gepaart mit Hollywood-reifen Inszenierungen setzt EA Sports hier neue Maßstäbe bei Story-Modes in Sportspielen.

Warum der Modus aber enttäuscht

Anfänglich präsentiert sich das Ding aus als neues Flaggschiff. Einmal durchgespielt, kommt große Enttäuschung wegen dem Storymodus auf. Achtung! Wer The Journey bei FIFA 17 – auf eigene Gefahr – selbst durchspielen möchte, der sollte an dieser Stelle nicht weiterlesen!

Die Story ist recht schnell erklärt. Als kleiner Junge ist man begeisterter Fußballer, auch weil Opa Jim Hunter eine Legende im englischen Fußball ist. Der eigene Vater ist abgetaucht, Alex Hunter beschäftigt sich also nicht nur mit dem Kicken, sondern auch mit familiären Problemen. Am Anfang der Karriere wählt man seinen Lieblingsverein aus der Premier League aus.

Davor kämpft man sich aber durch Jugend-Trainings und dort ist man gemeinsam mit Gareth Walker unterwegs, mit dem man schon seit frühesten Kindertagen kickt. Wenn man beim Sichtungstraining der FA gut abschneidet, dann kann man sich einem Premier-League-Klub anschließen. Egal wo man unterschreibt, wir haben Walker und zudem unsere Freunde Li-Li Bernard und Torro Gallo in der Mannschaft, die uns immer wieder Tipps geben und mit denen man interagieren kann.

Wenige Wahlmöglichkeiten

Als 17-Jähriger wird man aber schnell in die 2. Liga verliehen, nur um dann im Winter wieder zurückgeholt zu werden. Unser Freund Walker entwickelt sich zur absoluten Bitch und wechselt zum direkten Konkurrenten. Mittlerweile baut sich das Karriere-Szenario sehr gut auf. Man bekommt durch Follower auf den sozialen Medien coole Sponsoren-Deals, allerdings werden die einem eher auf's Aug gerückt. Auswählen kann man so gut wie gar nichts.

Mit steigenden Skill-Werten steigt auch der Marktwert und man persönlich nimmt auch eine Menge Kohle ein. Mit beidem kann man aber nichts anfangen, denn bereits nach einer Saison mit dem 17-jährigen Stürmer ist schon Schluss im Journey-Modus. Gegen den Rivalen Walker gipfelt ein Spiel um den FA-Cup, dann ist die Karriere auch schon vorbei.

Fast Zwang zu Ultimate Team

Ja ihr habt richtig gelesen! Und jetzt kommt der Hammer: EA Sports will uns mit dem Journey-Charakter ins Ultimate Team locken. Das ist die einzige Möglichkeit mit Alex Hunter weiterzumachen. Wir sehen das als absolute Frechheit, denn es wurde ein Debüt für die englische Nationalmannschaft angeteasert, zudem hätten wir gern unser wohlverdientes Geld in Kleidung, Luxus-Güter und geile Schuhe investiert. Außerdem wären Transferverhandlungen mit großen Klubs auch sehr reizvoll gewesen.

Man kann sein verdientes Geld nicht ausgeben, der Transferwert ist auch nur eine unnötige Maßzahl. Als treue FIFA-Zocker sind wir über die fehlende Tiefe und die kommerzielle Ausrichtung des Journey-Modus ziemlich schockiert. Da baut man sich einen Charakter auf, der im Story-Modus nur eine Saison überleben darf. Hallo? Der Typ ist 17?! Da erwartet man schon mehr! Das Argument, dass man ja mit Alex Hunters 75er-FUT-Card weiterspielen kann ist für die Mehrheit der Offline-Zocker extrem uninteressant. 

Neue Tools im Manager-Modus

Für Offline-User hat man auch am Managermodus geschraubt. Hier geht die Entwicklung immer weiter in die Richtung der Management-Komponente. Wenn man früher so ziemlich jeden Cent für Spielertransfers rausballern konnte, muss man im 17er-Jahrgang auch für Reisekosten, Stadion-Infrastruktur und Gelder für das Nachwuchszentrum aufkommen. Um Kohle zu verdienen kann man nun dafür aber auch auf Spieltags-Einnahmen und Merchandise bauen.

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Ebenfalls spannend ist das neue "Total Club Management". Der Vorstand gibt einem Vorgaben in Bezug auf nationalen und internationalen Erfolg, das ist nicht neu, aber hinzu kommen nun auch Parameter wie Markenpräsenz, Finanzen und Nachwuchsarbeit. Wir haben kurz reingeschnuppert und können versprechen, dass der Managermodus nicht so schnell langweilig wird, wie in Vorgängertiteln.

Neue Features beim Ultimate Team

Man mag ja vom Ultimate Team-Modus halten, was man will. Allerdings erfreut sich die Cashcow von EA Sports nach wie vor großer Beliebtheit. Auch unser Test hat uns in den beliebten Online-Modus geführt. Um die Spieler bei Laune zu halten gibt es auch hier wieder neue Features. Für Heavy User wurde "FUT Champions" installiert. Dabei handelt es sich um eine Challenge, in der man wöchentlich performen muss und sich in kleineren Turnieren für größere Aufgaben empfehlen kann.

Quelle: YouTube

Zudem gibt es neue Squad Builing-Challenges. Wenn man also die richtige Mischung in seinen teuer erworbenen Packs findet, kann dies auch zu einem Geldsegen führen. Wichtig ist wie immer die richtige Team-Chemie, die Positionen der Spieler und der richtige Manager. Als kleines Zuckerl für Ästheten gibt es diesmal auch speziell von Künstlern designte neue und fesche Trikot, damit man nicht immer in derselben Bayern- oder Real-Wäsch herumlaufen muss.

Unser Fazit

Mit FIFA 17 ist EA Sports wieder einmal ein Schritt in die richtige Richtung gelungen. Es hat sich wieder einmal bestätigt, dass gerade die Titel in den ungeraden Kalenderjahren zu den stärkeren gehören.

Grafisch top, spielerisch hat man sich auch weiterentwickelt und die neuen Modi und Anpassungen versprechen Fußball-Spaß ohne Ende. Für uns ein klarer Pflicht-Kauf!

Bis zum Ende durchgespielt

Vorbei sind die Zeiten von Golf-Spielen mit dem Präsidenten und den Übungseinheiten für den Bootsführerschein, wie es beim beliebten Fußball-Manager der Fall war. Für viele ein lästiges Detail, wir haben es aber geliebt. Für die Manager-Dosis 2017 reicht uns aber auch der FIFA-17-Karrieremodus aus. Wir wollen hier einen kleinen Überblick geben, was der Offline-Modus für Überraschungen, Eigenheiten und Ärgernisse auf Lager hält.

Auf geht's also mit unserer Reise zum erfolgreichsten Klub der Welt. Weil es natürlich mit großen Vereinen einfacher ist, haben wir uns für den holprigen Weg durch die Österreichische Bundesliga entschieden. Weil wir es nicht allzu stressig angehen wollten, pendeln wir bei der CPU-Schwierigkeit zwischen Profi und später dann Weltklasse.

Jugendförderung um jeden Preis

Wir werden also zum neuen Trainer von Rapid Wien berufen. Wichtig sind natürlich die Ziele, die vom Vorstand ausgegeben werden, doch man sollte nicht immer alles befolgen, was uns der Präsident aufträgt. Nur, wenn eine Kategorie als entscheidende Priorität dunkelrot ausgesteckt ist, sollte man diese Bedingungen schon erfüllen, bei weniger hohen Prioritäten herrscht oft auch Nachsicht.

Unsere eigene Philosophie lautet: Jugendförderung um jeden Preis. Also kaufen wir uns um unser doch relativ kleines Budget gleich einmal einen ersten Jugendscout. Die Hälfte der bestehenden Mannschaft wird bis auf die Spieler mit hohem Entwicklungspotential auf die Transferliste gesetzt. Schnell sammeln sich 2 bis 3 Millionen an, mit denen man vielleicht auch den ein oder anderen potentiellen Megastar einkaufen kann. Bei uns war Stürmer Kasper Dolberg von Ajax Amsterdam der Schlüssel zum ganz großen Geld. Mit 18 Jahren hat er schon einen hohen Grundwert, steigt aber im Training unheimlich an.

Mit 17 Jahren schon bei 80

Das Training generell macht wirklich nur Sinn, wenn man die ganz jungen Spieler in die Einheiten holt. Jeweils fünf Spieler können in der Woche trainieren. Wir haben unsere Kicker in Trainingsgruppen aufgeteilt, so dass ein ausgewogenes Training möglich ist. Durch den Jugendscout wurde gleich der neue Abwehrchef gefunden und hatte durch konsequentes Training und viel Einsatzzeit mit 17 Jahren schon eine Stärke von knappen 80.

So gelingt es innerhalb von knapp zwei Saisonen die Mannschaft komplett umzubauen und auf ein neues Level zu heben. Für unsere Karriere haben wir übrigens keine einzige Finanzspritze genutzt, aber aufgrund der Jugend-Ausrichtung jede Saison den potentiellen neuen Star gescoutet. Nach der ersten Meisterschaft ist auch genug Geld da, um die Jugendabteilung auf drei Scouts auszubauen und dann beginnt das "Werkl" richtig zu laufen. Mit der Teilnahme am Champions-Cup und wenn man es schafft zu überwintern oder gar noch weiter zu kommen, ist man im Big Business angelangt.

Ältester Kicker ist 23 Jahre jung 

Die ersten Angebote in der Höhe von 20 Millionen flattern herein, hier muss man immer wieder klug handeln und schon die nächsten Youngsters hochziehen. Mit einer Mannschaft, wo der älteste Kicker gerade einmal 23 war, glänzte erstmals die Champions Cup-Trophy in Grün-Weiß. Von dann an ist eigentlich unlimitiert Geld vorhanden.

Mit einer Mischung aus Jugendarbeit und globalem Transfernetzwerk kann man so relativ punktgenau eine ziemliche Monstermannschaft aufbauen. Rund um das Jahr 2022 verliert die Jugendarbeit allerdings langsam ihren Reiz, denn immer weniger gute Talente spawnen. Auch die großen Talente, die man über die FIFA Coins scouten kann, werden immer schlechter. Durch ein riesiges Netzwerk aus Leihspielern, die man jederzeit zurück beordern kann, ist es auch schon einmal möglich die halbe A-Mannschaft zu Real, Manchester oder Barcelona zu verkaufen.

Große Vereine sind schlampig

Sollte ein Spieler dann doch zu sehr abgehen, kann man ihn ja nach einem halben Jahr – meist billiger – als um den Verkaufspreis zurückholen. Die großen Vereine sind übrigens sehr schlampig, was auslaufende Spielerverträge angeht, in der Winterpause lohnt sich daher immer wieder ein Blick, welche Kicker ablösefrei zu haben sind. So haben wir zum Beispiel mit Marcus Rashford (Manchester United) knappe 100 Millionen Ablöse lukriert, obwohl er nur ganz selten für unser Team zum Einsatz gekommen ist.

Die Stars im Team werden hin und wieder auch ungeduldig, hin und wieder lehnt ein großer Spieler ein Angebot zur Vertragsverlängerung ab und der Vorstand wird sehr nervös. Meistens hilft es dann den Spieler einfach weiterhin einzusetzen, dann beruhigt sich die Situation schnell wieder von selbst und nach ein paar Wochen ist er doch bereit weiter für den Verein zu spielen.

200 Millionen Euro aus Trikotverkäufen

Als Champions Cup-Seriensieger und Abomeister in der Bundesliga steigen auch die Erwartungen vom Vorstand immer weiter. Gegen Ende muss man zum Beispiel 200 Millionen Euro alleine aus Trikotverkäufen erzielen oder Top-Stars einkaufen, um den Präsidenten zu besänftigen. Nach der Saison 2026/27 ist dann endgültig Schluss und man wird in die wohlverdiente Pension geschickt.

Für unseren Geschmack deutlich zu früh, denn unsere Mannschaft besteht zu diesem Zeitpunkt aus extrem mächtigen Kickern, die alle noch eine große Zukunft vor sich gehabt hätten – Schade, dass man diese nicht ins Ultimate Team übertragen kann.

Nein, wir sind nicht (komplett) gestört 

Und für alle, die uns jetzt für komplett gestört halten: NEIN, wir haben nicht alle Spiele selbst gespielt, da wurde auch kräftig simuliert. Trotzdem hat es Spaß gemacht, die Fäden zu ziehen – ein wenig mehr Abwechslung würde dem Karrieremodus allerdings schon gut tun.

Wenn man zum Beispiel die Transfer-Mechanik durchschaut hat, bekommt man Spieler auf der einen Seite wesentlich billiger, auf der anderen Seite kann es auch klappen, dass Kicker um das Doppelte des Marktwerts verkauft werden.