Nach der tödlichen Gewalttat in einem Einfamilienhaus in einer Siedlung nahe der "Seeschlacht" und dem Marchfeldkanal in Langenzersdorf (Bezirk Korneuburg) kommen immer mehr Details ans Licht, aber das Motiv bleibt rätselhaft. Die Ermittler gehen derzeit jedenfalls von einem Gewaltverbrechen aus. Ein erst 18-jähriger Tatverdächtiger wurde festgenommen.
Nach bisherigen Erkenntnissen hatten sich das spätere Opfer, ein 29-jähriger Wiener, und der Tatverdächtige über eine Social-Media-Plattform kennengelernt. Die beiden vereinbarten ein persönliches Treffen, das schließlich in einem Einfamilienhaus in Langenzersdorf stattfand.
Dort soll es zu einem heftigen Streit gekommen sein. Der 29-Jährige erlitt tödliche Verletzungen, wies schwere Kopfverletzungen auf. Der 18-jährige ungarische Staatsbürger aus dem Bezirk Korneuburg wurde festgenommen. Bei seiner ersten Einvernahme machte er nur wenige und teils wirre Angaben. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Wie "Heute" zudem erfuhr, soll die Familie des Tatverdächtigen während des Urlaubs der Eigentümer auf deren Haus aufgepasst haben. Der 18-Jährige dürfte deshalb einen Schlüssel besessen und das Treffen dort vereinbart haben. Hinweise auf einen Einbruch gibt es nicht. Weitere Personen sollen sich zum Tatzeitpunkt nicht im Gebäude aufgehalten haben.
Aus dem familiären Umfeld des Verdächtigen wurde schließlich auch die Polizei verständigt. Dadurch kamen die Ermittlungen ins Rollen.
Eine Tatwaffe konnten die Ermittler bislang nicht sicherstellen. Nach aktuellem Stand ist es möglich, dass die tödlichen Verletzungen durch massive Gewalteinwirkung ohne Einsatz einer Waffe verursacht wurden, also mit bloßen Händen.
Polizeisprecher Stefan Loidl bestätigte gegenüber "Heute", dass derzeit von einem Gewaltverbrechen ausgegangen werde. Ermittler sprechen von einer massiven Gewalteinwirkung gegen den Hals- und Kopfbereich des Opfers.
Die Einsatzkräfte waren am Donnerstag gegen 6.30 Uhr alarmiert worden. Das Landeskriminalamt Niederösterreich übernahm die Ermittlungen, die Staatsanwaltschaft Korneuburg ordnete eine Obduktion an.
Warum der Streit derart eskalierte und was sich in den Minuten vor der Tat genau abgespielt hat, ist weiterhin Gegenstand der Ermittlungen.
Der 29-Jährige hatte Berufserfahrungen als Verkäufer, Kundenberater oder Service-Officer – die Jobs übte er aber oft nur wenige Wochen aus. Auf Social-Media-Plattformen zeigte sich das Opfer immer top gepflegt mit extravaganter Garderobe. Musik war ihm wichtig, auch selbst gab er Lieder zum Besten.
Der mutmaßliche Täter, erst 18 Jahre alt, hatte schon seit Kindheitstagen Erfahrung mit der koreanischen Kampfkunst Taekwondo – er wurde auch mit mehreren Preisen ausgezeichnet.
Über das Motiv gibt es unterschiedliche Anhaltspunkte. Möglich, dass sich die Tat im homosexuellen Milieu abgespielt hat. War es ein Flirt und die Lage eskalierte oder wurde das Opfer gar in eine Falle gelockt und mögliche Avancen nur vorgespielt? Laut "Kurier" soll es "einige vage" Anhaltspunkte dafür geben, dass die Tat mit der Pädo-Hunter-Szene zu tun haben könnte.
Dabei handelt es sich um Personen, die im Internet Jagd auf Homosexuelle machen und ihnen Pädophilie unterstellen. Bei realen Treffen kam es infolge dann in der Vergangenheit schon zu schweren Attacken.
Betroffen zeigt sich Langenzersdorfs Bürgermeister Andreas Arbesser (VP), was sich in seiner Gemeinde abgespielt hat. "Es ist furchtbar, dass in Langenzersdorf so ein Kapitalverbrechen passiert ist. Die Gemeinde war bisher von solchen Verbrechen verschont geblieben. Natürlich ist es ein Wahnsinn, wenn das in der eigenen Ortschaft passiert", sagte er zu "Heute".