In Handschellen und strengstens bewacht kehrte am Mittwoch der mordverdächtige Steirer an den Tatort eines furchtbaren Verbrechens zurück. Der Sportschütze wird verdächtigt, Mitte Mai seine 28-jährige Online-Bekanntschaft in Kottingbrunn (NÖ) mit einem Kopfschuss getötet zu haben, seit seiner Festnahme sitzt er in Wr. Neustadt in U-Haft.
Nun soll eine Rekonstruktion klären, wie sich die tödlichen Schüsse tatsächlich abgespielt haben. Denn der 27-Jährige hatte die Ermittler seit seiner Festnahme mit mehreren, teils widersprüchlichen Versionen der Tat konfrontiert. Mal sprach er von einer Zurückweisung, dann von angeblichem Zwang, später wiederum von einem versehentlichen Schuss und einer angeblichen Bedrohung durch "Mafiakreise".
Welche Darstellung mit den Spuren am Tatort vereinbar ist, soll nun überprüft werden. Beamte brachten eine Puppe mit, die die Position des Opfers einnehmen soll. Vertreten wird der mordverdächtige Motorradfahrer, der sich fürs Online-Dating mit Fake-Muskeln und KI-Bildern geschönt hatte, von den Strafverteidigerinnen Astrid Wagner und Ina-Christin Stiglitz – sie waren ebenfalls vor Ort.
Ihnen hatte der 27-Jährige zuletzt erklärt, er habe nach dem tödlichen Schuss gehofft, sich den Vorfall nur eingebildet zu haben. Deshalb habe er dem Opfer sogar noch Nachrichten geschickt und auf eine Antwort gewartet.
Ermittler gehen hingegen davon aus, dass der Mann nach der Tat gezielt Spuren beseitigte. So soll er die Patronenhülse aufgehoben und während der Heimfahrt aus dem Fenster seines Mietwagens geworfen haben. Anschließend setzte er laut Ermittlungen seinen Alltag zunächst fort, ehe er wenige Tage später an einer Raststation festgenommen wurde. Zudem stehen Vorwürfe im Raum, dass er eine andere Frau über Jahre gestalkt und sich in eine Fantasiewelt hineingesteigert haben soll. Die Unschuldsvermutung gilt.