Die Bestürzung in Kottingbrunn ist groß. Beim "Heute"-Lokalaugenschein in der Wohnhausanlage, in der eine 28-Jährige getötet wurde, ist die tiefe Trauer allgegenwärtig. Nachbarn sprechen verunsichert, viele sind noch immer fassungslos.
"Sie war eine liebe Frau, immer fleißig", sagt eine Anrainerin am Donnerstag gegenüber "Heute". Eine andere Bewohnerin ringt um Worte: "Die Tat ist furchtbar." Besonders der massive Polizeieinsatz zu Christi Himmelfahrt hat sich bei vielen eingebrannt. "Alles war voller Polizei am Feiertag", schildert ein Anrainer.
Wie "Heute" berichtete, hatten Angehörige die junge Frau am 14. Mai in ihrer Wohnung in Kottingbrunn entdeckt. Nach einem Urlaub hatten sie die 28-Jährige nicht mehr erreicht und sperrten schließlich mit einem Zweitschlüssel die Wohnung auf. Dort fanden sie den leblosen Körper der Sekretärin, sie wies mehrere Kopfwunden auf. Einsatzkräfte konnten nur mehr ihren Tod feststellen.
Zunächst war unklar, wie die Frau verstorben ist. Anfangs wurde ein schwerer Sturz oder Suizidversuch vermutet. Erst die Obduktion brachte die Wende: Die junge Frau wurde durch drei Kopfschüsse getötet. Bei der Tatwaffe soll es sich laut "Krone" um eine Kleinkaliberwaffe, Kaliber 22, gehandelt haben. Der Schusskanal war wegen der kleinen Munition zu Beginn nicht eindeutig erkennbar.
Gewalt an Frauen: Hier finden Sie Hilfe
Frauenhelpline Tel.: 0800 / 222 555
Polizei Tel.: 133
Helpchat: haltdergewalt.at
Österreichische Gewaltschutzzentren Tel.: 0800 / 700 217
Ins Visier der Ermittler geriet rasch ein 27-jähriger Steirer, den die Frau laut "Krone" über Facebook kennengelernt haben soll. Zwischen den beiden dürfte sich eine kurze Beziehung entwickelt haben. Nach einer Liebesnacht soll die Situation dann völlig eskaliert sein: Nach einem Kommentar der Frau soll sich der Mann "in seiner Ehre gekränkt gefühlt" haben, bestätigt der Anwalt des Tatverdächtigen, Manfred Arbacher-Stöger, im "Heute"-Gespräch. Wie am Freitag bekannt wurde, beantragte die Staatsanwaltschaft für den 27-Jährigen U-Haft. Für ihn gilt weiterhin die Unschuldsvermutung.
Der Verdächtige war Sportschütze und soll laut "Krone" zehn Waffen besessen haben. Einige Tage nach der Tat war der Steirer auf dem Weg von Niederösterreich in die Steiermark. Nach dem Besuch eines Mostheurigen wurde er auf der Autobahn mit seinem Motorrad gestoppt und festgenommen.
Eine wichtige Rolle spielten auch Handydaten. Demnach sollen die 28-Jährige und der Verdächtige in engem Kontakt gestanden sein – teils soll es bis zu 40 Anrufe am Tag gegeben haben.
Zu der Bluttat sagt Anwalt Manfred Arbacher-Stöger im "Heute"-Gespräch: "Mein Mandant gesteht alles."
Inzwischen haben die Eltern der jungen Frau im Eingangsbereich der Wohnanlage eine Parte aufgehängt. Wer die Tür zur Anlage öffnet, sieht das Blatt Papier, das mit Klebestreifen an der Glastür befestigt ist. Darauf ein Bild der getöteten 28-Jährigen. Auf der Todesanzeige steht: "In tiefer Trauer und mit schweren Herzen nehmen wir Abschied von unserer geliebten Tochter."