Experten sind geschockt

Seit Jahren verboten – das fand man in Supermärkten

Ein Labortest zeigt: In österreichischen Alltagsprodukten wurden mehrfach verbotene Stoffe nachgewiesen, teils deutlich über dem Grenzwert.
Newsdesk Heute
19.05.2026, 08:35
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Ein neuer Labortest von foodwatch sorgt für Aufsehen: In zahlreichen Alltagsprodukten wurden massive Pestizidrückstände gefunden – und das, obwohl viele dieser Stoffe in der EU eigentlich verboten sind.

Die Untersuchung umfasste insgesamt 64 Produkte aus Österreich, Deutschland, Frankreich und den Niederlanden. Im Fokus standen Lebensmittel wie Reis, Tee und Gewürze. Besonders für Österreich fällt das Ergebnis laut einer Aussendung alarmierend aus: In 10 der getesteten Produkte wurden insgesamt 30 Rückstände von verbotenen Pestiziden nachgewiesen.

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Vier Produkte überschritten sogar die gesetzlich festgelegten Grenzwerte. Die Konsumentenschutzorganisation fordert deshalb die zuständigen Behörden auf, diese vier Produkte sofort aus dem Handel zu nehmen.

"Aus gutem Grund nicht zugelassen"

"Viele Pestizide sind in der EU aus gutem Grund nicht zugelassen: Sie stehen teils mit schweren gesundheitlichen Erkrankungen in Verbindung. Gleichzeitig schaden sie unseren Böden, unserem Wasser sowie der Tier- und Pflanzenwelt. Dass Rückstände solcher Stoffe trotzdem in Lebensmitteln auftauchen und somit auf unseren Tellern landen, ist nicht hinnehmbar", sagt Markus Linkeseder von foodwatch Österreich.

Besonders belastet sind laut foodwatch-Test Paprikapulver. In mehreren Gewürzprodukten aus heimischen Supermarkt-Regalen fand das Labor gleich mehrere Rückstände nicht zugelassener Pestizide. Der negative Spitzenreiter: Kotányi Paprika Edelsüß Spezial mit sieben Rückständen. Auch S-Budget Paprika Edelsüß mit sechs und Le Gusto Paprika edelsüß gemahlen mit fünf Rückständen zählen zu den auffälligsten Produkten.

Auch bei Tee gibt es bedenkliche Ergebnisse: In allen getesteten Grüntees – darunter Produkte von SPAR, Twinings und Westminster – wurden mindestens zwei nicht zugelassene Pestizidrückstände gefunden.

Hersteller widersprechen

Brisant ist außerdem: Einige Hersteller und Handelsketten hatten im Vorfeld der Tests auf Anfrage von foodwatch angegeben, durch umfassende Kontrollen gesundheitsschädliche Pestizidbelastungen ausschließen zu können. Die Ergebnisse zeigen aber, dass diese Kontrollen bei manchen Herstellern und Händlern offensichtlich nicht ausreichen.

"Konsumenten müssen sich beim Einkauf bedingungslos darauf verlassen können, dass keine gefährlichen Pestizidrückstände auf ihren Tellern landen. Dafür braucht es wirksame interne Kontrollen der Produzenten und Lieferanten und klare Vorgaben des Handels an die Produktsicherheit – gerade auch bei Eigenmarken. Unsere Stichprobe zeigt: Das Sicherheitsnetz hat massive Lücken. Nicht nur die Politik, sondern auch die Supermärkte und die Produzenten müssen diese Lücken schließen und uns vor dieser unsichtbaren Gefahr bestmöglich schützen", so Markus Linkeseder von foodwatch Österreich.

Dringender Handlungsbedarf

Foodwatch sieht auch dringenden politischen Handlungsbedarf. Denn Pestizide, die in der EU nicht zugelassen sind, dürfen hier weiterhin produziert und exportiert werden. Über importierte Lebensmittel gelangen deren Rückstände dann wieder nach Europa – das nennt sich "Pestizid-Bumerang". Die Europäische Kommission hätte die Rückstandshöchstmengen für solche verbotenen Stoffe längst auf das niedrigstmögliche Niveau senken können. Ein von foodwatch in Auftrag gegebenes Rechtsgutachten zeigt, dass die Kommission dazu bereits nach geltendem EU-Recht befugt wäre.

Statt den Schutz der Konsumenten zu stärken, droht mit dem geplanten EU-Omnibus-Paket zur Lebensmittel- und Futtermittelsicherheit jedoch eine weitere Aufweichung bestehender Schutzstandards. Das würde den Umgang mit gefährlichen Pestiziden erleichtern und die Belastung durch Rückstände in unseren Lebensmitteln noch verschärfen. Mit einer Petition, die sich an die Abgeordneten des Europäischen Parlaments richtet, ruft foodwatch alle auf, gegen eine Aufweichung der Lebensmittelsicherheit durch das Omnibus-Paket aktiv zu werden und so den Gesetzesbeschluss zu verhindern.

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