Labor-These könnte doch nicht so abwegig sein

Labor oder Markt? Wie ist das Virus wirklich entstanden? Mehrere Regierungen fordern nun Transparenz seitens China sowie Nachforschungen zum Ursprung.

Das Wuhan Center for Disease Control and Prevention, das chinesische Forschungslabor, das sich dem Namen zufolge der Krankheitskontrolle und Vorbeugung verschrieben hat, steht wegen dem genauen Gegenteil im Mittelpunkt medialer Berichterstattung. Die Kritik an China und Forderung nach Transparenz wird seitens mehrerer Regierungen lauter. Denn die Hinweise darauf, dass das Virus doch aus dem Labor stammt und unabsichtlich freigesetzt wurde, häufen sich.

Die Forschungseinrichtung P4 in Wuhan ist dafür bekannt Viren mit einem hohen Ansteckungsrisiko aufzubewahren. Nach der US-Regierung fordern nun immer mehr Regierungen Klarheit über die Herkunft des Virus und Transparenz seitens der chinesischen Regierung. Australien etwa fordert eine unabhängige Untersuchung des weltweiten Umgangs mit dem Virus, kritisiert die Vorgehensweise der WHO und möchte, dass diese geprüft wird. "Nun könnte sich etwas bewahrheiten, das vor Kurzem noch als Verschwörungstheorie in der Propagandaschlacht zwischen den Supermächten galt," wie es in einem Artikel der Welt heißt. Davor haben sich die deutschen Medien noch recht zurückhaltend gegeben beziehungsweise die Information als Verschwörungstheorie zu entlarven versucht. In der Wissenschaft herrschte jedoch früh - die These bereits unternauernd - Einigkeit darüber, dass Fledermäuse das Virus verbreitet hätten. Diese wurden am Tiermarkt in Wuhan jedoch nicht verkauft.

Laborfreisetzung plausibel

Auch CNN berichtete etwa unter Berufung auf US-Geheimdienstmitarbeiter, dass die amerikanische Regierung die Möglichkeit untersuche, dass das Coronavirus aus einem Labor entwichen sei. Und die Washington Post kommt nach einer Analyse der Geheimdienstakten zu dem Ergebnis, dass ein Labor-Unfall am plausibelsten zu einer Pandemie geführt habe. Die Möglichkeit einer Laborfreisetzung untermauerte auch Yanzhong Huang, Senior Fellow für globale Gesundheit, in einem Artikel der "Foreign Affairs". Und sogar das renommierte Wissenschafts-Magazin "Science" veröffentlichte einen Artikel der sich auf die Studie über die ersten 41 Infizierten beruft. 13 von ihnen hätten keinerlei Verbindung zum Tiermarkt in Wuhan gehabt. Die Schlussfolgerung der Forscher: Der Tiermarkt als einzige Quelle sei nicht möglich.

Bisher hatte China die Anschuldigungen offensiv zurückgewiesen.

Erst letzte Woche hatte die chinesische Botschaft in London die Vorwürfe in einem offenen Brief an europäische und amerikanische Medien zurückgeworfen. Außenminister Wang Yi forderte von Amtskollegen Dominc Raab noch ein Ende der "schädlichen" Berichterstattung. Nicht nur journalistisch sollte nicht recherchiert werden. Auch Wissenschaftlern wurde, wie die CNN berichtete, eine Zensur-Direktive der chinesischen Regierung auferlegt. Chinesischen Wissenschaftlern sei es somit nicht mehr erlaubt, frei über den Ausbruch der Corona-Pandemie zu publizieren.

China plötzlich ungewöhnlich zahm

Nun gibt sich China ungewöhnlich zahm. Zhao Lijian, der Pressesprecher des chinesischen Außenministeriums, schlägt plötzlich ruhigere Töne an, als er von einer russischen Nachrichtenagentur nach den US-Medienberichten befragt wurde. „Das ist eine Frage der Wissenschaft", wirkt er fast geläutert, „bei der wir uns nur auf die Erkenntnisse von Wissenschaftlern und medizinischen Experten verlassen sollten". Die Vermutung liegt nahe, dass die rhetorische Taktik sich gerade nicht ohne Zufall ändert. Denn bisher waren gereizte Reaktionen auf Recherchen nicht unüblich. Ein China, das jede Recherche unterbindet und eine Wissenschaftszensur verhängt, sollte die denkende Welt jedoch vor ein Fragezeichen stellen. Sollte sich die Theorie tatsächlich bewahrheiten, wären die Folgen für China und die Reputation des Landes als Vermittler des Virus, seine Rolle im Kampf dagegen und das Ausmaß an Schuldzuweisungen als gravierend einzuschätzen.

Jahrelange Forschung an Fledermäusen und Schweinen

Wenn es sich, wie im aktuellen Fall, um einen Ausbruch handelt, der im direkten räumlichen Umfeld des Labors zu suchen ist, wo seit Jahren an Fledermäusen und Schweinen geforscht worden sein soll, dann untersteht das Bild von China einem Wandel. Berichte über die Forschungen gibt es schon lang. Über die Forschungsarbeiten an Fledermaus-Viren in chinesischen Laboren gab es schon vor Jahren die ersten Berichte. Im April 2018 publizierte das "Nature"-Magazin einen Artikel über eine Studie, die von chinesischen Schweinefarmen durchgeführt wurde. Bei dieser wurden Proben von Fledermäusen in Höhlen entnommen, die Viren im Labor kultiviert und schließlich drei Tage alten Ferkeln injiziert. Schon im renommierten PLOS erschien im November 2017 eine ähnliche Studie. Damit einher geht die Frage nach der Sicherheit der chinesischen Labore.

Chinesische Virologin und Fledermaus-Expertin sagte Ausbruch vorher

Vor einem Jahr erschien in einigen renommierten Wissenschaftsmagazinen außerdem ein Bericht darüber, dass die Fledermaus-Forscherin Zhen-Li Shi mit ihren Virolen-Kollegen den mit hoher Wahrscheinlichkeit in China erneut eintretenden Ausbruch einer Infektionswelle vorhergesagt habe. Dabei handelt es sich um jene Wissenschaftlerin, die als "Batwoman" bezeichnet wurde und jahrelang an Fledermäusen geforscht hatte. Ihr haben wir es zu verdanken, dass das Genom so schnell - nämlich bis zur Ankündigung des Forschungs-Erfolgs im Jänner 2020 - entschlüsselt wurde. Von asiatischen Medien wurde sie jedoch als

"Mutter des Teufels" und sogar als Verursacherin der Pandemie dargestellt.

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