In den Ministerien Frankreichs herrscht derzeit eine angespannte Stimmung: Wer im näheren Umfeld der Regierung arbeitet, muss mit spontanen Kontrollen auf illegale Substanzen rechnen. Premierminister Sébastien Lecornu hat angekündigt, dass Regierungsmitglieder, Berater, Botschafter, Polizeipräsidenten und regionale Erziehungsdirektoren künftig zu unangekündigten Speicheltests verpflichtet werden.
Bereits vor drei Wochen gab es im Regierungssitz Hôtel de Matignon die ersten Tests. Premier Lecornu und sein Team wurden dabei negativ auf Drogen getestet. Die Maßnahme wird mit der sicherheitsrelevanten Verantwortung der Betroffenen sowie dem verstärkten Kampf gegen Drogenkriminalität begründet.
Lecornu reagiert damit nicht auf aktuelle Vorfälle, sondern will präventiv handeln. Dennoch gab es zuletzt mehrere bekannte Fälle: So musste im Februar ein Regierungsberater nach einem mutmaßlichen Drogenkonsum entlassen werden, kurz darauf trat ein Finanzdirektor wegen einer Drogenaffäre zurück.
Das Vorgehen stößt auf Kritik. Es wird hinterfragt, ob die verpflichtenden Tests überhaupt rechtlich zulässig sind und wie sie konkret organisiert werden sollen. Auch die Aussagekraft der Speicheltests steht zur Debatte, da sie nur den jüngsten Konsum nachweisen können.
Die Tests sind Teil eines umfassenden Maßnahmenpakets gegen Drogenhandel, das rund 50 Punkte umfasst, wie die Zeitung Les Échos berichtet. Ob die Kontrollen langfristig Wirkung zeigen, bleibt abzuwarten – zumindest aber könnten sie abschreckend wirken und das Bild eines beispielhaften Staatsdienstes fördern.