Nach Schließung der letzten Wahllokale in Frankreich haben Hochrechnungen den Sieg des Sozialisten François Hollande bestätigt. Laut dem Institut Sofres kam der 57-Jährige auf 52 Prozent, der konservative Amtsinhaber Nicolas Sarkozy auf 48 Prozent. Praktisch dieselben Zahlen mit 51,8 beziehungsweise 51,9 Prozent für Hollande veröffentlichten zwei andere Institute. Der frühere Parteichef wird damit der erste sozialistische Präsident seit dem Ende der Amtszeit von François Mitterrand vor 17 Jahren.
Hollande versprach vor seinen Anhängern "seinem Land zu dienen" und der "Präsident aller sein zu wollen". Jeder Bürger solle zukünftig "gleich an Rechten und Pflichten sein." Er richtete einen "republikanischen Gruß" an den amtierenden Präsidenten Nicolas Sarkozy und versicherte, dass dieser all "unseren Respekt" verdiene.
Parteichefin Aubry: "Riesige Freude"
Mit Freude und Stolz haben die französischen Sozialisten auf den Sieg von François Hollande in der Stichwahl um das Präsidentenamt reagiert. Parteichefin Martine Aubry sprach am Sonntagabend im Fernsehsender TF1 von einer "riesigen Freude". Mit Blick auf Hollande sagte sie, die Sozialisten seien "stolz auf seinen Wahlkampf, stolz auf sein Projekt". Es sei kein Sieg eines Lagers gegen das andere, sondern "der Sieg Frankreichs".
Der Sprecher der Sozialisten, Benoit Hamon, sprach direkt nach Bekanntwerden der ersten Hochrechnungen von einem "sehr großen Glück", mit dem die "17-jährige Herrschaft der Rechten im Elysee-Palast zu Ende geht". Hollande hatte bereits die erste Runde der Präsidentschaftswahl am 22. April mit knappem Vorsprung vor Sarkozy für sich entschieden. Die Wahlbeteiligung lag bei gut 80 Prozent.
Hollande feierte auf dem Place de la Bastille
Hollande hielt unmittelbar nach Schließung der letzten Wahllokale um 20 Uhr eine kurze Ansprache auf der Place de la Cathedrale seiner zentralfranzösischen Wählerhochburg Tulle. Anschließend begab er sich nach Paris zur Place de la Bastille, wo eine Siegesfeier geplant war.
Die Rue Solferino in Paris, wo sich der Sitz der sozialistischen Partei (PS) befindet, hatte sich am späten Sonntagnachmittag bereits mit hunderten Sympathisanten des sozialistischen Präsidentschaftskandidaten Francois Hollande gefüllt. Nach Bekanntwerden der ersten Exit Poll-Ergebnisse durch ausländische Medien war der Slogan "Wir werden gewinnen!" hörbar gewesen, während unzählige Fahnen geschwungen worden waren.
Sarkozy gestand Wahlniederlage ein
Der französische Präsident Nicolas Sarkozy gestand noch am Sonntag seine Wahlniederlage ein. Seine Anhänger rief er dazu auf, den neu gewählten französischen Präsidenten, Francois Hollande zu respektieren, da dieser auf Basis einer demokratischen und republikanischen Entscheidung gewählt worden sei.
Sarkozy sagte vor seinen Anhängern, er hätte bereits mit dem sozialistischen Gewinner der Stichwahl, Francois Hollande telefoniert und ihm Glück gewünscht. Unter "Merci! Merci!" und "Nicolas! Nicolas"-Rufen erklärte Sarkozy der das gemeinsame "Heimatland Frankreich" und die "Größe Frankreichs" nun wichtiger als alles andere sein müsse. Indirekt bestätigte er auch seinen bereits angekündigten Ausstieg aus der Politik. Er wolle die volle Verantwortung für seine Niederlage übernehmen und werde zukünftig wieder ein "Franzose unter Franzosen" sein.
Hollande sucht sofortigen Kontakt zu Merkel
Außenpolitisch dürfte sich mit dem Wahlsieg Hollandes einiges ändern: Der Sozialist kündigte bereits an, er wolle den EU-Fiskalpakt für mehr Haushaltsdisziplin um eine Wachstumskomponente ergänzen. Direkt nach seiner Amtsübernahme will Hollande nach Berlin reisen, um sich mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu treffen. Einen ersten Kontakt zu Merkel kündigte Hollandes Sonderberater Jean-Marc Ayrault bereits für Sonntagabend an.