"Frauentausch"-Skandal: RTL2 nimmt alle Folgen vom Netz

TV-Teilnehmerin Sevgi beschimpft Tina (r.) beim "Frauentausch" auf übelste Weise.
TV-Teilnehmerin Sevgi beschimpft Tina (r.) beim "Frauentausch" auf übelste Weise.RTL2
Die homophoben Äußerungen einer Tauschmutter schockierten die Zuschauer. Jetzt reagiert der Sender auf den Skandal mit drastischen Mitteln.

Der Sender RTL2 geht momentan mit der Initiative "Hass hat Hausverbot" aktiv gegen Hasskommentare in den sozialen Medien vor. Umso schockierter dürften die Zuschauer am Dienstagabend durch die jüngste Folge "Frauentausch" gewesen sein.

Die Reality-Serie ist seit Jahren dafür bekannt, zu polarisieren, kratzt mit ihren Protagonisten seit Jahren an der Grenze zu Fremdscham und Diffamierung. Die Sendung amüsiert damit aber immer noch ein breites Publikum. Diesmal ging der Sender, laut zahlreicher Zuschauer, aber zu weit. Die Plätze tauschten in der gezeigten Folge die 35-jährige Mutter von zwei Kindern Inga und die 21-jährige Sevgi.

Beleidigend und beinahe handgreiflich

Die junge Tauschmutter hat beim Besuch in Ingas Zuhause wohl mit einem Ehemann gerechnet, dass sie da eine Frau erwartete, passte ihr gar nicht. Die 35-jährige Inga entdeckte nach ihrer Scheidung ihre Liebe zu Frauen und ist seit eineinhalb Jahren glücklich mit ihrer Freundin Tina zusammen.

Eine unmögliche Situation für die junge Tauschmutter Sevgi. Mit ihrer Meinung, was die Lebensform ihrer Tauschmutter angeht, hält sich die 21-Jährige nicht zurück. Es kommt zu homophoben Beleidigungen und sogar beinahe zu Handgreiflichkeiten.

Internationaler Tag gegen LGBTQ-Hass

Die Sendung wurde schon 2012 gedreht und wiederholt ausgestrahlt. Diesen Dienstag wurde die Folge am internationalen Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transphobie gezeigt. Das Netz ist empört und lässt seinem Unverständnis dem Sender gegenüber freien Lauf – "Heute" berichtete.

Für besonders große Aufmerksamkeit sorgten auch die Instagram-Stories der Berliner Rapperin Visa Vie (33), wie "Bild" berichtete. In diversen Posts macht die Musikerin ihrer Wut Luft und kritisiert scharf, dass der Tauschmutter Inga sogar das zu betreuende Kind, aufgrund ihrer sexuellen Orientierung, weggenommen wird, da man die kleine Tochter "nicht mit einer lesbischen Frau alleine in der Wohnung lassen wollte."

"Beschissenes Timing"

Visa Vie schreibt in ihren Storys: "Gestern haben weltweit Menschen aus der LGBTQ-Community gegen Diskriminierung und für Gleichberechtigung gekämpft und bei uns läuft eine Sendung im Fernsehen, die all die abwertenden Stereotype kommentarlos reproduziert und damit Aversionen und Aggressionen gegenüber Homosexualität normalisiert und legitimiert, als hätten wir 1950."

Dem Sender unterstelle sie aber in keinster Weise eine böse Absicht, das Timing sei halt, abgesehen davon, dass es für eine solche Folge keinen guten Zeitpunkt geben kann, besonders beschissen gewesen.

RTL prüft noch weitere Folgen

Wie ein RTL2-Sprecher gegenüber "Bild" sagt: "Dass den Äußerungen in der besagten Folge ohne Einordnung eine Fläche gegeben wurde, ist ein bedauerlicher Fehler und darf nicht passieren. Dafür bitten wir um Entschuldigung. Wir haben die Folge für jegliche Verwendung gesperrt. Sie wird weder in Gänze noch in Ausschnitten weiter gezeigt und wurde bereits gestern auf TVNOW offline genommen."

Und der Sender geht auch noch einen Schritt weiter: "Im nächsten Schritt werden wir unser Archivmaterial sukzessive durch prüfen. Dafür werden bis auf Weiteres keine Inhalte von 'Frauentausch' mehr auf TVNOW verfügbar sein. Die Inhalte auf weiteren Plattformen prüfen wir ebenfalls genau."

"Das darf nicht passieren"

RTL2 hat inzwischen darauf reagiert und die Folge entfernt. Ein Sprecher der Senders erklärte gegenüber "watson": "Dass die Äußerungen der Mitwirkenden ohne Einordnung eine Fläche gegeben wurde, darf nicht passieren und bedauern wir. Wir haben die betreffende Episode für jegliche Verwendung gesperrt. Sie wird, weder in Gänze noch in Ausschnitten, weiter auf unseren Plattformen gezeigt und wurde gestern auch bei TVNow offline genommen." In Zukunft soll die Folge nicht mehr bei RTL2 zu sehen sein. 

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HomophobieRTL II / RTL 2TV

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