"Fremdes Kind war auf meiner E-Card mitversichert"

Jahrelang nutze ein fremdes Kind unbemerkt Versicherungsleistungen eines Österreichers
Jahrelang nutze ein fremdes Kind unbemerkt Versicherungsleistungen eines ÖsterreichersJeff Mangione / picturedesk.com
Arnel D. (51) erschrak, als er vergangene Woche zufällig bemerkte, dass ein fremdes Kind jahrelang auf seinen Namen mitversichert war.

Arnel D. hat drei Kinder, alle sind über ihn mitversichert. Dann war da seit 2013 bis zuletzt noch ein fremdes türkisches Mädchen auf seinen Namen mitversichert – ein Mädchen, das er überhaupt nicht kennt. Seit 2014 hat sie Versicherungsleistungen über sein Kundenkonto bezogen. Er hat es erst vergangene Woche entdeckt, als er sich zufällig durch seine ÖGK-App klickte. Über seinen ÖGK-Account konnte er dabei alle Einträge und Arztbesuche des Kindes sehen. "Sie hat einen türkischen Namen", sagt er.

"Keine Erklärung, keine Entschuldigung von der Kasse – es ärgert mich!"

In größter Panik rief er sofort bei seiner Kasse an. "Man sagte mir, das Ganze sei jetzt storniert – das war alles!", ärgert sich der Versicherte. Keine Entschuldigung, keine Erklärung. "Ich bin in großer Sorge. Ich fühle mich betrogen!", sagt Arnel D.

Arnel D. kommt von den Philippinen, lebt seit 25 Jahren in Wien Simmering: "Ich bin patriotisch für Österreich. Ich respektiere das Land, seine Kultur, seine Gesetze. Es ärgert mich, wenn Ausländer den österreichischen Staat und das Gesundheitssystem auf so eine Weise ausnutzen", sagt er.

Zahlen viereinhalb Millionen Österreicher für heimlich Mitversicherte?

Darum will der Familienvater seine Geschichte öffentlich machen: "Was, wenn die Hälfte der neun Millionen Versicherten in Österreich einen heimlichen Mitversicherten hat?", fragt er. Arnel D. hat sich jetzt einen Anwalt genommen. Wie die Kasse mit seinem Fall umgegangen ist, findet er nicht in Ordnung.

Eine Sprecherin der ÖGK äußerte sich dazu: "Wir haben uns jetzt den Fall genau angesehen und soweit wie möglich rekonstruiert. Es ist ein sehr bedauerlicher Einzelfall. 2013 wurden die Daten von Herrn D. und seiner Angehörigen zunächst korrekt erfasst und gespeichert. Am selben Tag wurde allerdings auch eine Fehlspeicherung der Angehörigenbeziehung durch dieselbe Dienststelle vorgenommen – so kam es dazu, dass auch ein fremdes Kind bei Herrn D. mitversichert war."

Kasse spricht von bedauerlichem Einzelfall und bittet um Entschuldigung

Warum genau dieser Fehler geschah, lasse sich leider nach mehr als neun Jahren nicht mehr nachvollziehen. Man bedaure den Fehler bei der ÖGK sehr und bitte Herrn D. aufrichtig für die Unannehmlichkeiten um Entschuldigung, so die Sprecherin. Dass es weitere Fälle gibt, hält die Sprecherin für unwahrscheinlich. Es sei menschliches Versagen gewesen, die falsche Eintragung sei intern vorgenommen worden – somit müsse man auch nicht an organisiertes Verbrechen, Cyber-Kriminalität oder Identitätsdiebstahl denken.

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