Die Mitgliederbefragung darüber, wer die SPÖ in die nächste Nationalratswahl führen soll, geht in die heiße Phase. Seit Dienstag stehen sogar die genauen Modalitäten fest. Insgesamt wird es nur die drei bekannten Kandidaten geben, die ab 24. April um die fast 150.000 Stimmen kämpfen mussten. Während Andreas Babler auf große Tour durch das Land geht und dabei sein eigenen Programm vorstellt und Amtsinhaberin Pamela Rendi-Wagner auf Tauchstation ist, gab Hans Peter Doskozil dem "Kurier" ein interessantes Interview.
Dort gab bereits vor wenigen Tagen Gerhard Zeiler – früherer Pressesprecher mehrerer roter Bundeskanzler, ORF-Intendant und später selbst im Gespräch als Bundeskanzler und SPÖ-Chef – bekannt, im Fall eines Siegs Doskozils nicht mehr die SPÖ zu wählen. Harte Worte, die beim Betroffenen aber für keine sonderliche Regung sorgen.
Er kenne Zeiler nicht persönlich, so Doskozil, dieser sei nur ein Mitglied wie 147.000 andere. Sein eigenes Programm und seine Sozialpolitik, die er umsetzen wolle, ziele ohnehin nicht auf diejenigen, die sich einen privaten Arzt, die sich die Pflege privat leisten können und die gar nicht wissen, was ein Mindestlohn ist. "Bei uns geht es nicht darum, für Leute in der Finanzklasse von Gerhard Zeiler Politik zu machen, sondern für ihre Putzfrauen. Diese Empathie muss man aufbringen, aber davon ist er, so glaube ich, schon weit weg."
Auch einen Seitenhieb gegenüber einem Wiener Funktionär hatte er auf Lager. Dieser meinte unlängst, die SPÖ sei eine urbane Partei und würde das bleiben. Zwar wolle Doskozil kein Öl ins Feuer gießen, "aber in dem Moment, wo es für ihn wichtig war, hat er gern auch im ländlichen Bereich gearbeitet. Da war ihm die SPÖ auch dort gut genug."
Die Mitgliederbefragung an sich sieht Doskozil recht pragmatisch. Ziel sei, die Sozialdemokratie zur Nummer 1 zu machen und Mehrheiten abseits ÖVP und FPÖ zu ermöglichen. "Dafür muss einmal entschieden werden, wer für diese Partei in den Wahlkampf ziehen wird." Im Anschluss könne nur mit NEOS und Grünen ein neuer Weg aufgetan werden. Ausgerufenes Wahlziel der SPÖ müssen klar über 30 Prozent sein.
Sollte sich das nicht ausgehen, wird es mit Doskozil auf keinen Fall eine Koalition mit den Blauen geben. "Nein. Ich sehe derzeit nicht die Möglichkeit, mit der Bundes-FPÖ in eine Koalition zu treten", sagt er darauf klar.