"Eine Servolenkung braucht man nicht", soll Warren Mosler einst gesagt haben, weil sie sowieso nur zusätzliches Gewicht bedeute. Und Gewicht ist der natürliche Feind von Effizienz und Fahrdynamik. Kein Wunder, waren die Autos, die Mosler baute, immer außerordentlich leicht.
Zusammen mit Rod Trenne entwickelte Mosler im neuen Jahrtausend einen Supersportwagen auf der Basis der Technik der Corvette C5. Das Ergebnis hieß MT900, wobei das "M" für Mosler, das "T" für Trenne und die Zahl 900 für das angestrebte Leergewicht standen, also 900 kg. Als Antrieb wurde der LS1-V8-Motor der Corvette auserkoren, montiert vor der Hinterachse des neuen Supersportwagens, der aussah wie ein Rennwagenprototyp, wie man sie in Le Mans beobachten konnte. Die Testfahrten begannen im Jahr 2001.
Bis die Straßenzulassung (im Jahr 2005) erreicht wurde, ließ man den Wagen als MT900R auf der Rennstrecke fahren, und dies mit einigem Erfolg. Es resultierten Platzierungen bei großen amerikanischen Rennen und unter anderem der Gewinn der Britischen GT-Meisterschaft im Jahr 2004.
Endlich auf der Straße
Im Jahr 2005 konnte Mosler kommunizieren ,dass der MT900 den Segen der Behörden erhalten habe. Inzwischen war das Modell zum MT900S weiterentwickelt worden, hatte nun den Corvette-LS6-V8 vor der Hinterachse, gekoppelt an ein Getrag G50-Getriebe. Als Option wurde ein Magnuson-Kompressor angeboten, der die Leistung von 435 auf 600 PS steigerte. Rund 220.000 USD kostete die so optimierte Version, damit war der MT900S deutlich günstiger als die Supersportwagen der Konkurrenz, die locker das Doppelte kosteten.
Schneller als Carrera GT und Enzo
Die amerikanische Zeitschrift "Car and Driver" gehörte mit zu den Ersten, die einen Mosler MT900S in die Mangel nehmen durften. Die 600-PS-Version zerrte so stark an den Reifen, dass die Beschleunigungszeiten aus dem Stand im zweiten Gang besser waren, als wenn mit dem ersten Gang losgefahren wurde. Schließlich wurden 3,1 Sekunden für den Spurt von 0 bis 60 mph (96 km/h) notiert. Auch bei der Querbeschleunigung (mit Straßenreifen) hatte der Mosler mit 1.08 g die Nase vor Porsche Carrera GT oder Ferrari Enzo.
Der Testwagen wog 1.151 kg und war damit locker über 200 kg leichter als die Konkurrenzsportwagen. Ein paar Jahre später gab es mit dem MT900S Photon dann doch noch einen Mosler mit weniger als 900 kg Gewicht, jener wurde aber nur zweimal gebaut.
Überzeugende Fahrdynamik
Der Einstieg in den Mosler gestaltet sich einfacher als erwartet. Die Scherentüren geben eine große Öffnung frei, und man gleitet fast beiläufig in den engen Schalensitz. Gestartet wird der Sportwagen ganz normal mit dem Zündschlüssel und auch sonst gibt sich der straßentaugliche Rennwagen ganz zivil. Noch nicht einmal die Geräuschkulisse erscheint rennmäßig, der aufgeladene Corvette-Motor wirkt fast sanft, einzig das Heulen des Kompressors und die mechanischen Geräusche des V8 sind etwas ungewöhnlich.
Dies ändert sich auch nicht, wenn man loszuckelt. Die Kupplung greift sanft, und der leichte Wagen setzt sich problemlos in Bewegung. Wenn man das Gaspedal, statt es zu streicheln, richtig runterdrückt, dann ändert sich der Charakter des Moslers allerdings schnell. Der Vortrieb raubt einem fast den Atem, die Gänge müssen fast im Sekundentakt gewechselt werden. Schon der vierte Gang reicht selbst bei zivilen Drehzahlen für Geschwindigkeiten, die kein legales Fahren auf Landstraßen mehr ratsam erscheinen lassen.
Mehr Informationen, Bilder und ein Geräuschmuster zum Mosler MT900 gibt es auf www.zwischengas.com.