"Ganz schwierig" – Handelsexperte hat düstere Prognose

Der Bundesspartenobmann im Handel Rainer Trefelik.
Der Bundesspartenobmann im Handel Rainer Trefelik.picturedesk.com/iStock
Die steigenden Preise machen dem Handel schwer zu schaffen, denn viele Leute kaufen nun weniger ein. Ein schwieriger Herbst steht wohl bevor.

Die Herbstlohnrunde 2022 hat am 19. September mit der Forderungsübergabe für die Kollektivvertragsverhandlungen in der Metallindustrie an alle Arbeitgeberverbände begonnen. Gewerkschaften fordern dabei gleich 10,6 Prozent mehr Lohn und Gehalt sowie 1.000 Euro für Lehranfänger und einen neuen Zuschlag für Samstagarbeit.

Geld-Kracher! Metaller fordern 10,6 Prozent mehr Gehalt

Während die Verhandlungen für die Metaller bereits begonnen hat, stehen diese für den Handel erst im Oktober bevor. Doch Vertreter des Handels in Österreich machen schon vor den Lohnverhandlungen schlechte Stimmung, denn die Kauflust der Bevölkerung hält sich eher in Grenzen, wie das Ö1-Morgenjournal am Mittwoch berichtet.

Denn eine Lohnerhöhung um zehn Prozent oder mehr sei im Handel völlig illusorisch, so die Position der Unternehmer. Denn aufgrund der stark gestiegenen Preise in Österreich kaufen die Leute nun weniger ein und das gefällt den Händlern überhaupt nicht. Immerhin lebe der Handel von einer guten Stimmung und der Kauflaune.

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Lage "von großer Verunsicherung geprägt"

Laut Rainer Trefelik, dem Bundesspartenobmann im Handel, sei daher die aktuelle Situation mit den gestiegenen Energiepreisen und der hohen Inflation eher kontraproduktiv. "Die Lage im Handel ist derzeit von ganz großen Kostensteigerungen und großer Verunsicherung der Konsumenten geprägt", erklärt Trefelik gegenüber Ö1.

Beides würde "uns große Probleme und Herausforderungen" machen. Es bringe daher auch ein "gewisses Maß" an Pessimismus in die nächste Periode hinein. Vielen Mitarbeitern bereite die kommende Lohnerhöhung daher schon jetzt große Sorgen, die Verhandlungen für die rund 500.000 Beschäftigen im Handel starten am 18. Oktober, heißt es weiter.

Trefelik erklärt gegenüber Ö1: "Grundsätzlich sind das ganz schwierige Verhandlungen mit den derzeitigen ökonomischen Rahmenbedingungen! Das ist glaube ich klar und wird auch vielfach schon diskutiert." Man müsse auch innerhalb der Branche hier stärker differenzieren.

"Handel ist ganz anderer Planet"

Allerdings seien Forderungen von einem Gehaltsplus von 10,6 Prozent, wie etwa von der Metaller-Gewerkschaft präsentiert, "nicht erfüllbar", so Trefelik weiter.

Denn: "Der Handel ist ein ganz anderer Planet. Hier muss man auch auf ganz andere Situationen der Branche schauen. Es ist eine große Herausforderung, ein vernünftiges Mittelmaß zu finden, dass die Betriebe weiter in der Existenz sichert. Und auf der anderen Seite auch die Mitarbeiter und Konsumenten ein Vertrauen für eine Kaufkraft stärkt. Das zu finden, wird ganz, ganz schwierig."

Für unrealistisch halte der Bundesspartenobmann im Handel – zumindest aktuell – die Forderung nach einem Mindestlohn von 2.000 Euro brutto im Monat. Dies sei kurzfristig "in keinster Weise" umsetzbar. "Ich darf in Erinnerung rufen, das wir gerade letztes Jahr bei KV-Gesprächen gerade das Einstiegsgehalt überproportional von über sechs Prozent erhöht haben", sagt Trefelik am Mittwoch im Ö1-Journal.

Umsätze gehen zurück

Und weiter: "Da hatten wir auch einen KV-Umstieg, der die Einstiegsgehälter quasi bevorzugt hat! Das heißt, hier dann einfach ein Jahr darauf unter den aktuell ökonomischen Rahmenbedingungen wieder einen großen Sprung zu machen, ist einfach nicht darstellbar.

Laut dem Bericht bremse sich die wirtschaftliche Entwicklung bereits seit dem Sommer ein und die Frequenz in den Geschäften sei – ebenso wie die Umsätze – zurückgegangen. Viele Händler würden nun befürchten, dass die Zurückhaltung der Konsumenten anhalte und die Leute weiter wenig(er) kaufen.

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