Gas-Krise – Kanzler setzt im Notfall auf Kohlekraftwerk

Bundeskanzler Karl Nehammer geht auf Grund der Gas-Krise einen ungewöhnlichen Weg. 
Bundeskanzler Karl Nehammer geht auf Grund der Gas-Krise einen ungewöhnlichen Weg. apa/picturedesk ("Heute"-Montage)
Auch am Sonntag lieferte Russland weniger Gas nach Österreich als vereinbart. Bei einem Krisengipfel wurden nun konkrete Maßnahmen beschlossen. 

Weil Russland nun seit mehreren Tagen infolge die Gaslieferungen nach Österreich gedrosselt hatte, rief Bundeskanzler Karl Nehammer am Sonntagabend ein Krisenkabinett ein. Neben dem Regierungschef selbst nahmen daran auch Wirtschaftsminister Martin Kocher (ÖVP) und Energieministerin Leonore Gewessler (Grüne) teil. Um gut auf den kommenden Winter vorbereitet zu sein, hat die Österreichische Bundesregierung einen Speicherfüllstand von 80 Prozent zu Beginn der Heizsaison (Oktober bis März) festgelegt.

Am Abend sandte das Bundeskanzleramt eine Zusammenfassung des Polit- und Expertengipfels aus. Die bisher gesetzten Maßnahmen zur Erhöhung der Füllstände österreichischer Gasspeicher wurden erörtert. Folgende Maßnahmen wurden dabei gesetzt: 

► Für den Ankauf einer strategischen Gasreserve in der Größenordnung von 20 Terawattstunden (mindestens 7,4 Terawattstunden davon nicht aus Russland) stehen bis zu 6,6 Milliarden Euro zur Verfügung.
► Das Gasdiversifizierungsgesetz fördert den Ankauf von nicht-russischem Gas mit bis zu 100 Millionen Euro.
► Für die heimische Industrie wurde die Möglichkeit geschaffen, selbst Gas zu bevorraten.
► Darüber hinaus gibt es finanzielle Unterstützung für Industrieunternehmen, die Gas durch andere Energieträger ersetzen
► Um die gesamte Speicherinfrastruktur nutzbar zu machen wurde eine "Use-it-or-lose-it"-Regelung auf den Weg gebracht. Speicherbetreiber werden dazu verpflichtet, ihre Speicher zu befüllen oder andernfalls an andere Betreiber abzugeben.

Steirisches Kraftwerk wird umgerüstet

Österreich hat derzeit rund 39 Prozent seines Jahresverbrauchs in Gasspeichern eingespeichert (Stand 15. Juni). Damit liegt unser Land an zweiter Stelle in der Bevorratung in der europäischen Union. Mit einer Speicherkapazität von rund 95 Terawattstunden (entspricht ca. einem Ganzjahresbedarf) verfügt Österreich über eine der höchsten Speicherkapazitäten in der EU. In Sommermonaten liegt der Gasbedarf in Österreich bei rund 4-6 Terawattstunden, in Wintermonaten bei 10 bis 12 Terawattstunden.

Die Bundesregierung und der Energiekonzern VERBUND haben vereinbart, das derzeit stillgelegte Fernheizkraftwerk Mellach (Steiermark) erneut so umzurüsten, dass im Notfall wieder Strom aus Kohle (nicht aus Gas) produziert werden kann

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"Österreich hat im internationalen Vergleich eine extrem hohe Speicherkapazität. Wir können einen Ganzjahresverbrauch in unseren Speichern einlagern", erklärt Bundeskanzler Karl Nehammer. "Bisher läuft die Einspeicherung nach Plan, jetzt geht es darum, die Reduktion des russisches Gas durch andere Quellen bzw. Lieferanten zu ersetzen, um weiterhin einen Vorrat anlegen zu können. Dafür werden wir alle Vorbereitungen treffen und die notwendigen Maßnahmen setzen. Die Versorgung des Landes zu sichern ist unser oberstes Ziel", betont der Regierungschef. 

Regierungschef Karl Nehammer im Rahmen einer Pressekonferenz. 
Regierungschef Karl Nehammer im Rahmen einer Pressekonferenz. TOBIAS STEINMAURER / APA / picturedesk.com

Auch Energieministerin Gewesseler betont die Notwendigkeit der Versorgungssicherheit. In einem nächsten Schritt sei die Unabhängigkeit von russischem Gas wichtig:  "Wir treiben die Diversifizierung bei den Gaslieferungen voran, um uns Schritt für Schritt unabhängiger von russischem Gas zu machen" so Gewessler.

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