Geeint für den Kanzler? Erster ÖVP-Minister wackelt!

Alle auf einer Linie? Der erste ÖVP-Minister wackelt bei seiner Unterstützung für Kanzler Kurz.
Alle auf einer Linie? Der erste ÖVP-Minister wackelt bei seiner Unterstützung für Kanzler Kurz.ROLAND SCHLAGER / APA / picturedesk.com
Geschlossen stellten sich die ÖVP-Regierungsmitglieder am Donnerstag hinter Kanzler Sebastian Kurz. Doch bereits jetzt scheint der Erste zu wackeln.

Noch vor wenigen Tagen zählte auch Martin Kocher zu den Unterzeichnern der bedingungslosen Unterstützungserklärung der ÖVP-Regierungsmitglieder für Sebastian Kurz. "Aus tiefster demokratischer Überzeugung stellen wir als Bundesministerinnen und Bundesminister der Republik Österreich hiermit klar: Eine ÖVP-Beteiligung in dieser Bundesregierung wird es ausschließlich mit Sebastian Kurz an der Spitze geben", hieß es in der gemeinsamen Erklärung.

Erster Minister wackelt

Samstagfrüh lässt ÖVP-Minister Kocher aber mit einem kryptischen Tweet aufhorchen. Der Verhaltensökonom, eigentlich als unabhängiger Experte ins Ministeramt gerückt, teilte den Wikipedia-Artikel zum "Chicken Game", auf Deutsch "Feiglingsspiel". Zwei Spieler rasen dabei direkt aufeinander zu, wer als erstes nachgibt und ausweicht, verliert. Offenbar sieht er den Sachverhalt auf die aktuelle Situation zutreffend.

"Umso wichtiger für alle: Staatsräson >> (Anm.: über, zählt mehr als) Parteiräson", befindet Kocher. Auch im Artikel selbst ist die Rede davon, wie unverantwortungsvoll und gefährlich solch ein "Spiel" ist, wenn es symbolisch von Politikern gespielt wird. Hängen bleibt: Das erste ÖVP-Regierungsmitglied übt subtile Kritik an der Strategie von Sebastian Kurz. Die Interessen des Staates sollten in den Vordergrund gerückt werden, befindet der ehemalige IHS-Chef Kocher.

"Kocher bringe ich noch auf Linie"

"Interessanter Tweet des Arbeitsministers. 'Für alle' meint ja ganz offensichtlich auch den Bundeskanzler", urteilt etwa ZiB2-Anchor Armin Wolf. Auch Martin Thür analysiert auf Twitter: "Kaum jemand kennt Spieltheorie so gut, wie Martin Kocher. Wenn er das jetzt twittert, lässt das eigentlich nur eine Lesart zu: Er bewegt sich." Pikant: Kocher kommt auch als "Ziel" in den öffentlich gewordenen ÖVP-Skandalmeldungen vor. Thomas Schmid, mutmaßlich einer der Drahtzieher des ÖVP-Skandals, soll der damaligen IHS-Chef Kocher zu kritisch gewesen sein. So heißt es in einer Nachricht von Schmid an Kurz: "Kocher bringe ich noch auf Linie. IHS vom BMF finanziert."

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