Vor fünf Jahren feierte Myfanwy Webb ihren Geburtstag, doch die Freude wurde von einem dramatischen Vorfall überschattet. Ihr Sohn Jeremy bekam nach dem Essen plötzlich Atemnot, musste sich übergeben und wurde ins Krankenhaus eingeliefert. Damals vermuteten die Ärzte eine Fleischallergie, führten dies aber letztlich auf Jeremys langjährige Asthmaerkrankung zurück.
Nur etwas mehr als ein Jahr später starb Jeremy nach dem Verzehr einer Rinderwurst während eines Campingausflugs. Zunächst wurde sein Tod als Folge eines Asthmaanfalls eingestuft. Erst eine spätere Untersuchung brachte ans Licht, dass eine durch einen Zeckenbiss ausgelöste Fleischallergie, bekannt als Mammalian Meat Allergy (MMA) oder Alpha-Gal-Syndrom, zum tödlichen Verlauf geführt hatte.
Wie bbc.com berichtet, handelt es sich dabei um den weltweit ersten bekannten Todesfall durch diese spezielle Allergie. Diagnosen von MMA nehmen seit 2007 stetig zu, nachdem ein australischer Arzt den Zusammenhang zwischen Zeckenbissen und der Fleischallergie entdeckte. Wissenschaftler warnen davor, dass diese potenziell lebensbedrohliche Allergie oft unerkannt bleibt.
Die Symptome der MMA reichen von leichten Hautausschlägen bis hin zu schweren allergischen Reaktionen wie Erbrechen, Magenkrämpfen und im schlimmsten Fall tödlicher Anaphylaxie. Besonders tückisch: Die Beschwerden treten oft erst Stunden nach dem Verzehr von Fleisch auf und werden daher häufig mit anderen Erkrankungen verwechselt, etwa mit Asthma.
Die Fleischallergie wird in Australien meist durch den Biss der östlichen Zecke ausgelöst. Nach zwei Zeckenbissen entwickeln etwa 50 Prozent der Betroffenen Antikörper gegen Alpha-Gal, einen Zucker, der im Speichel der Zecke enthalten ist. Rund 15 bis 20 Prozent davon reagieren später allergisch auf Fleischprodukte, erklärt die Allergologin Sheryl van Nunen, die den Zusammenhang entdeckte.
In Australien sind vorwiegend Gebiete an der Ostküste betroffen, speziell nördlich von Sydney. Die Zahl der Diagnosen steigt, was Experten auch auf veränderte Lebensgewohnheiten, erhöhte Zeckenpopulationen und mehr Aufmerksamkeit für das Krankheitsbild zurückführen. Die Dunkelziffer dürfte jedoch weitaus höher sein.
Für Betroffene gestaltet sich der Alltag oft schwierig. Neben Fleisch können auch Milchprodukte, Gelatine oder sogar Dämpfe von Grillfleisch eine allergische Reaktion auslösen. Manche Medikamente, Impfstoffe und Alltagsprodukte wie Waschmittel oder Einkaufssackerl enthalten ebenfalls tierische Bestandteile und bergen ein Risiko.
Um Zeckenbisse zu vermeiden, empfehlen Experten, beim Aufenthalt im Grünen lange Kleidung zu tragen, Socken in die Hose zu stecken und helle Kleidung zu wählen. Nach dem Aufenthalt sollte man sich und Haustiere sorgfältig nach Zecken absuchen. Wird ein Zeckenbiss entdeckt, raten Fachleute, die Zecke mit einem speziellen Spray zu betäuben und abfallen zu lassen, anstatt sie mit einer Pinzette zu entfernen.
Für Angehörige wie Myfanwy Webb bleibt nach dem tragischen Verlust ihres Sohnes die Hoffnung, dass bessere Aufklärung und Diagnose künftig weitere Todesfälle verhindern können. Sie engagiert sich gemeinsam mit Ärzten dafür, dass mehr Menschen über die gefährlichen Folgen von Zeckenbissen informiert werden.