Der Sommer ist da, die Sonne scheint – und auf TikTok kursiert ein neuer Bräunungstrend: Immer mehr Nutzer planen ihr Sonnenbad gezielt nach dem höchsten UV-Index des Tages, um möglichst schnell braun zu werden. Was nach einem cleveren Beauty-Hack klingt, bereitet Hautärzten jedoch große Sorgen. Der Wiener Dermatologe Tobias Peinhaupt warnt im Gespräch mit "Heute" eindringlich vor den Risiken.
"Je höher der UV-Index, desto kürzer ist die Zeit, in der die Haut ungeschützt der Sonne ausgesetzt werden kann. Sich gezielt hohen UV-Werten auszusetzen ist generell nicht ratsam, da hier potenziell schädigende Effekte rascher eintreten", verrät Peinhaupt.
Besonders kritisch sei das für junge Menschen. Vor allem Sonnenbrände in der Kindheit und Jugend gelten als wichtiger Risikofaktor für die spätere Entstehung von schwarzem Hautkrebs (Melanom). Gleichzeitig betont der Dermatologe im "Heute"-Interview: Hautschäden entstehen nicht erst mit dem Sonnenbrand. "Ein Sonnenbrand ist das sichere Zeichen, dass bereits eine Hautschädigung eingetreten ist – er signalisiert aber nicht den Beginn der Belastung."
Viele gehen davon aus, dass ein hoher UV-Index lediglich den Bräunungsprozess beschleunigt. Tatsächlich bestätigt Peinhaupt, dass stärkere UV-Strahlung schneller zu einer Bräunung führen kann. Das bedeutet jedoch keineswegs, dass die Haut dadurch gesünder oder besser geschützt wäre.
"Die Bräunung ist ein Schutzversuch des Körpers, aber kein Zeichen dafür, dass die Haut gesünder geworden ist", erklärt der Hautarzt. Vielmehr beginne die Pigmentbildung erst, nachdem UV-Strahlung bereits Schäden an der DNA verursacht habe. Die Haut versuche anschließend lediglich, diese Schäden zu begrenzen. Auch der durch die Bräune entstehende Eigenschutz werde häufig überschätzt. Er sei nur gering und könne Sonnenschutzmittel keinesfalls ersetzen.
Vor allem an heißen Sommertagen erreicht der UV-Index häufig Werte von 8, 9 oder sogar 10. Diese gelten als sehr hoch. Ungeschützte Haut kann dann, abhängig vom Hauttyp, bereits nach kurzer Zeit Schaden nehmen.
Zusätzlich verstärken Wasser, Sand oder helle Flächen die UV-Strahlung durch Reflexion. Auch Wind vermittelt oft ein falsches Sicherheitsgefühl, weil sich die Haut kühler anfühlt. Selbst Wolken sind kein verlässlicher Schutz und können die Strahlung teilweise sogar verstärken.
Aus dermatologischer Sicht gibt es deshalb kein "gesundes Bräunen". "Bräune ist immer eine Reaktion der Haut auf eine Schädigung durch ein Zuviel an Sonne", so der Wiener Hautarzt.
Das bedeutet jedoch nicht, dass die Sonne grundsätzlich gemieden werden muss. Entscheidend sei ein vernünftiger Umgang. In den frühen Morgenstunden oder am späten Nachmittag ist die UV-Belastung meist deutlich geringer. Ab einem UV-Index von 3 sollten Sonnenschutz, Schatten, Kopfbedeckung, Sonnenbrille und schützende Kleidung selbstverständlich sein.
Wer sich dennoch einen gebräunten Teint wünscht, fährt laut dem Wiener Dermatologen mit Selbstbräuner oder einem "Spray Tan" deutlich sicherer. Wichtig sei allerdings auch hier: Die Haut sieht zwar gebräunt aus, besitzt dadurch aber keinen zusätzlichen Schutz vor UV-Strahlung.
Wer also auf TikTok den höchsten UV-Index jagt, riskiert nicht nur einen Sonnenbrand, sondern langfristig auch die Gesundheit seiner Haut.