Coronavirus

"Gefahr, sich anzustecken, ist so hoch wie noch nie"

Der Gesundheitsökonom Thomas Czypionka vom Institut für Höhere Studien (IHS) sieht weitere Corona-Maßnahmen in Österreich als dringend notwendig an.
Rene Findenig
21.03.2022, 22:48

32.000 neue Corona-Fälle gab es in Österreich zum Wochenstart, der zweithöchste Wert an einem Montag seit Ausbruch der Corona-Pandemie. Gleichzeitig steigen die Spitalszahlen und sinken die Impfzahlen, nur knapp 700 Menschen ließen sich am Sonntag impfen. Eine neue Kampagne der Regierung soll die Impfmüdigkeit nun bei jenen vertreiben, die sich noch gar nicht impfen haben lassen. Zudem kehrt am Mittwoch die Maskenpflicht in Innenräumen zurück.

Der immer schnellere Wechsel der Regeln sorgt jedoch für Unmut bei den Bürgern. "Die österreichische Bundesregierung vermittelt ein gefährliches Bild", so der Politikwissenschafter Peter Filzmaier in der ORF-"ZiB 2", sie sende Zeichen aus, dass man "resigniert" habe. Auch die Impfkampagne sei nicht durchdacht, kritisierte in der Sendung am Montagabend bei Moderator Armin Wolf der Gesundheitsökonom Thomas Czypionka vom Institut für Höhere Studien (IHS).

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„"Sie impfen sich in erster Linie dafür, dass sie nicht ins Spital kommen"“

"Es passt da sehr viel nicht zusammen", so Czypionka, die Politik sei bei der Kampagne die Ziele, die man erreichen wolle, schuldig geblieben, eine Gesamtstrategie sei nicht zu erkennen. Einerseits schaffe man viele Schutzmaßnahmen ab, andererseits wolle man weiter testen, "was insgesamt keinen Sinn macht" und von der Bevölkerung nicht mehr verstanden werden könne, so der Experte. Die wichtigste Botschaft zur Impfung sei nun, dass sie gegen schwere Verläufe helfe.

Das ist auch eine Ansage dahingehend, dass die Kampagne offenbar darauf abzielt, dass man sich mit der Impfung wieder gefahrlos treffen könne. "Sie impfen sich in erster Linie dafür, dass sie nicht ins Spital kommen", sagte jedoch der Experte, der Schutz vor schweren Verläufen bestünde auch bei den neuen Corona-Varianten. Aber, auch das sagte Czypionka: "Leider Gottes" werde die Infektionsübertragung nur in einem Zeitraum von ein paar Monaten unterdrückt.

„"Die Gefahr, sich anzustecken, ist so hoch wie noch nie"“

Die Möglichkeit, die mehrfach zu infizieren, sei "doch überraschend", so der Experte. Erklären ließe sich das dadurch, dass die einzelnen Corona-Varianten doch "relativ unterschiedlich zueinander" seien. Generell attestierte Czypionka, dass bei den derzeit hohen Infektionszahlen eigentlich weit mehr Maßnahmen als eine angedachte Maskenpflicht in Innenräumen aktibv sein müssten – er empfehle Social Distancing und Zugangsmöglichkeiten über 2G in kritischen Bereichen.

Aufrecht erhalten werden müssten die Maßanhmen "bis uns die Saisonalität hilft und die Welle wieder abschwillt", so der Experte, der auch sagte: "Die Gefahr, sich anzustecken, ist so hoch wie noch nie." Hätte man beispielsweise die Maskenpflicht nie abgeschafft, hätte die Bevölkerung das verstanden, so der Experte. Einer vieldiskutierten Lockerung der Quarantänepflicht konnte Czypionka zudem nichts abgewinnen: es sei eine "Extrem-Maßnahme, die ich momentan nicht empfehle".

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