Geflüchtete Afghanin: "Kann hier selbstbestimmt leben"

Flüchtlingsbuddy Renate Schröfl (55), die aus Afghanistan geflüchtete Fatima Mohammadi (27) und ihr Sohn Aria (3)
Flüchtlingsbuddy Renate Schröfl (55), die aus Afghanistan geflüchtete Fatima Mohammadi (27) und ihr Sohn Aria (3)Helmut Graf
Fatima Mohmmadi flüchtete 2015 aus Afghanistan. Durch die Hilfe von Renate Schröfl hat sie sich ein Leben in Wien aufgebaut und neuen Mut gefunden.

Fünf Jahre war Fatima Mohammadi (27) von ihren Eltern und Geschwistern getrennt. Ihre Familie, die nach Deutschland flüchtete, konnte sie im Sommer zum ersten Mal seit 2015 besuchen und ihnen Sohn Aria (3) vorstellen. Die aktuelle Lage in Afghanistan kennt die junge Mutter, liest aber lieber nicht zu viele Nachrichten: "Was passiert, macht mich sonst zu traurig", sagt sie zu "Heute". Viel lieber spricht sie über ihr neues Leben in Wien: Im Juni zog sie mit ihrem Mann dem dreijährigen Sohn in ihre erste eigene Wohnung in Favoriten: "In Wien kann ich als Frau selbstbestimmt und sicher leben, ohne, dass jemand Druck auf mich ausübt. Ich kann allein entscheiden, wo ich hingehe", erzählt sie selbstbewusst.

"Selber etwas tun, damit Integration klappt"

Ihr Selbstbewusstsein musste die Afghanin aber erst finden, dabei geholfen hat ihr Flüchtlingsbuddy Renate Schröfl (55) vom Integrationshaus. Mit Fatima trifft sie sich seit 2019, hilft bei Hausaufgaben für den Deutschkurs oder plaudert über mit ihr über Kindererziehung. Sich nach der Flüchtlingskrise 2015 zu engagieren, war für die Wienerin nur logisch: "Man muss selbst etwas tun, damit Integration klappt. Immer nur zu kritisieren, reicht nicht", so die Freiwillige.

Deutsch lernen für den Traumberuf

Für Fatima hat Renate damit viel bewirkt: "Ich habe mich sehr orientierungslos gefühlt, konnte die Straßennamen nicht lesen und bin nicht nur einmal verloren gegangen", erzählt sie. Mit dem arabischen Alphabet aufgewachsen, musste sie die europäische Schrift von Grund auf lernen, angefangen bei den Buchstaben. "Leider erlernen viele Frauen in Afghanistan keinen Beruf. Durch Renate habe ich aber Mut gewonnen, sie hat mir das Gefühl gegeben, alles in Ruhe lernen zu können. Es gibt Menschen, die mir wunderbar helfen und mein Wunsch ist es, eines Tages so gut Deutsch zu sprachen, dass ich in einem Kindergarten arbeiten kann", ist Fatima entschlossen.

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