Internationale Kritik an Erdogans Syrien-Offensive

Die türkische Armee führt, unterstützt von Dschihadisten, ihre Offensive gegen die Kurden im Südosten Syriens weiter. Mehrere Staaten reagieren mit Exportstopps.

Seit Mitte dieser Woche läuft die türkische Militäroffensive – unterstützt von islamistischen Dschihadisten – gegen die Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) im Norden bzw. Nordosten Syriens. Hunderte Zivilisten starben bereits im Bomben- und Artilleriehagel der türkischen Armee.

Die internationale Kritik reißt unterdessen nicht ab. Die deutsche Regierung kündigte an, ihre Waffenexporte in die Türkei einzustellen. Die Bundesregierung werde "keine neuen Genehmigungen für alle Rüstungsgüter, die durch die Türkei in Syrien eingesetzt werden könnten, erteilen", so Deutschlands Außenminister Heiko Maas gegenüber der "Bild am Sonntag". Auch Frankreich stoppte am Samstag Rüstungsexporte in die Türkei. Laut unbestätigten Berichten hat die türkische Armee auch französische Elitesoldaten beschossen.

Arabische Liga spricht von "Invasion"

Auch die Arabische Liga verurteilte das Vorgehen Ankaras. Die Angriffe seien eine "Invasion in das Land eines arabischen Staates und ein Angriff auf seine Souveränität", sagte Generalsekretär Ahmed Abul Gheit. Der irakische Außenminister Mohamed Ali Alhakim, der amtierende Präsident der Arabischen Liga, sagte bei dem von Ägypten einberufenen Krisentreffen, die Militäraktion werde die humanitäre Krise und das Leiden der syrischen Bevölkerung verschärfen.

Zusammen mit dem libanesischen Außenminister Gebran Bassil forderte er, Syrien wieder als Mitglied in die Arabische Liga aufzunehmen. Syriens Mitgliedschaft wurde 2011, wenige Monate nach Ausbruch der Aufstände im Land, suspendiert.

Putin fordert Rückzug

Russlands Präsident Wladimir Putin sprach sich erneut für einen Abzug ausländischer Truppen aus Syrien aus. "Jeder, der sich unrechtmäßig in einem fremden Land befindet – in diesem Fall in Syrien –, sollte das Gebiet verlassen. Das gilt für alle Länder", sagte der Kreml-Chef am Samstag dem in Abu Dhabi ansässigen Nachrichtensender Sky News Arabia zufolge.

Auch US-Soldaten beschossen

Das Verhältnis zwischen Washington und Ankara ist unterdessen weiter angespannt. Laut dem Pentagon gerieten auch US-Soldaten am Freitag unter türkischen Beschuss. Amerikanische Einheiten seien im syrischen Grenzgebiet zur Türkei unter Artilleriebeschuss geraten, teilte das US-Verteidigungsministerium mit.

Zwar sei der Vorfall nahe des Grenzorts Kobane glimpflich ausgegangen. Das Pentagon sprach jedoch eine neuerliche Warnung an die Adresse Ankaras. Die Türkei habe jegliche Handlungen zu vermeiden, "die eine sofortige Verteidigungsreaktion nach sich ziehen könnten", warnte das Pentagon.

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