Es klingt wie aus einem Science-Fiction-Film: Eine Petrischale mit lebenden menschlichen Gehirnzellen ist an einen Bildschirm angeschlossen - und spielt den Videospiel-Klassiker Doom. Doch genau das ist jetzt Realität geworden.
Das australische Biotech-Startup Cortical Labs aus Melbourne hat 200.000 menschliche Neuronen auf einem Mikrochip gezüchtet und ihnen beigebracht, den Ego-Shooter zu spielen. Die Zellen treffen dabei eigenständig Entscheidungen, bewegen die Spielfigur und schießen auf Gegner.
Wie focus.de berichtet, gelang dem unabhängigen Programmierer Sean Cole dieses Kunststück in nur rund einer Woche. Ermöglicht hat das eine neu entwickelte Software-Schnittstelle in der Programmiersprache Python, die als Übersetzer zwischen den Gehirnzellen und dem Spiel fungiert.
Schon 2021 hatte Cortical Labs für Aufsehen gesorgt, als über 800.000 Nervenzellen das simple Ballspiel Pong steuern konnten. Damals dauerte die Entwicklung rund 18 Monate. Jetzt reichte ein Viertel der Neuronen und nur eine Woche, um das deutlich komplexere Doom zu meistern.
Das System funktioniert so: Das Spielbild wird in elektrische Impulse übersetzt und an die Neuronen gesendet. Diese reagieren mit eigenen Signalen, sogenannten Spikes, die dann als Steuerbefehle wie "feuern" oder "drehen" interpretiert werden.
Die spielerische Leistung der Zellen entspricht zwar noch der eines absoluten Anfängers. Doch die Daten zeigen laut den Forschern, dass die Aktionen nicht zufällig sind, sondern eine echte Reaktion auf das Spielgeschehen darstellen. Es handelt sich also um tatsächliches Lernen.
Ziel der Forschung ist nicht das Gaming, sondern die Entwicklung biologischer Computer, die schneller und energieeffizienter als herkömmliche Silizium-Chips lernen können. Mögliche Anwendungen reichen von der Robotersteuerung über Prothesen bis zur medizinischen Forschung.
Cortical Labs bietet seinen CL1-Chip bereits als Cloud-Plattform für Entwickler und Forscher an. Das Unternehmen betont, dass alles unter strengen ethischen Regeln geschieht.