Fussball

Geht Austria-Neuausrichtung nicht mit Christian Ilzer?

Die Trennung zwischen Christian Ilzer und der Wiener Austria ist vollzogen. Der Coach geht zu Sturm Graz. Die Veilchen wollen sich neu aufstellen.
Markus Weber
17.07.2020, 19:10

Dabei hatte Sport-Vorstand Peter Stöger dem 42-Jährigen trotz des mageren 0:0 in Hartberg und dem dadurch verpassten Europacup-Ticket am Mittwoch eine Job-Garantie gegeben. 

Zwei Tage später ist alles anders. Ilzer löste am Freitag seinen eigentlich noch zwei Jahre laufenden Vertrag mit den Veilchen auf, unterschreibt bei Sturm Graz einen Dreijahresvertrag. Die Präsentation soll noch am Freitag erfolgen. Und die Austria muss wieder von vorne beginnen, einen Trainer suchen. 

"Heute" auf Google als bevorzugte Quelle festlegen

Ilzer sind die ohnehin finanziell angeschlagenen Wiener recht "billig" losgeworden. Denn klar ist auch: Wäre die finanzielle Situation der Wiener nicht derart prekär, wäre der 42-Jährige wohl schon vor Wochen seinen Job losgewesen. Den Coach weitere zwei Jahre auszuzahlen, können sich die Veilchen schlicht und ergreifend nicht leisten. Sturm kam da gerade recht. 

Dominant auftreten

Nun ist Sport-Vorstand Peter Stöger am Zug. Am Mittwoch hatte er Ilzer, damals noch Coach am Verteilerkreis, eine klare Arbeitsanweisung mit auf den Weg gegeben: die Veilchen sollen wieder dominant auftreten. Stichwort "Anspruch und Stil", wie es ja als Motto heißt

Dies scheint aber nicht der Weg Ilzers zu sein. Der Steirer gilt als Taktik-Fuchs, fand aber nie seine Stamm-Formation, rotierte gerade im Herbst immer wieder die Formationen und Aufstellungen durch. Kontinuität war Fehlanzeige. Am Ende mussten es die "Jungen" richten. 

Bankrotterklärung in Hartberg

Bezeichnend war die mangelnde Torgefahr, die die Wiener in der gesamten Saison begleitet hatte. Dies war im Duell gegen Hartberg deutlich geworden. Die Wiener brauchten zwei Tore. Chancen dafür gab es bis zur 91. Minute nicht.

Stattdessen war der Ball hin und her geschoben worden. Allerdings dort, wo man keine Tore erzielen kann, hatten die Oststeirer den eigenen Strafraum zugemauert. Und die Wiener keine Ideen gehabt. 

"Mit Informationen zugemüllt"

"Mein Eindruck ist jener, dass die Spieler verlernt haben, Fußball zu spielen. Unter Umständen hat Christian Ilzer die Mannschaft in den Trainings mit zu viel Information überfordert. Wenn man Spieler permanent mit Information zumüllt, dann verlernen sie irgendwann das Gespür für Fußball. Ich habe den Eindruck, dass das Team will und möchte, aber nicht kann. Weil es blockiert ist", hatte Sky-Experte Alfred Tatar nach dem violetten Schicksalsspiel analysiert. 

Ideen wird nun ein neuer Coach haben müssen. Denn das violette Budget lässt am Spielersektor keine großen Sprünge zu. Neuausrichtung ja, aber mit demselben Personal. Dass Ilzer also geht, ist nur logisch, scheint die Neuausrichtung mit ihm nicht möglich zu sein.