Der Überfall eines Geldtransporter-Überfalls in der Linzer City im Februar vergangenen Jahres sorgte weit über die Landesgerenzen hinaus für Schlagzeilen. Wie sich nach intensiven Ermittlungen herausstellte, war einer der Geldboten laut Polizei ein Komplize (wir berichteten).
Die beiden Boten (33, 22) wollten am 13. Februar in den frühen Morgenstunden den Bankomat im Nachtclub "Villa Ostende" befüllen. Laut eigenen Angaben wurden sie plötzlich von Räubern bedroht und überfallen. Als der Fahrer den Laderaum öffnete, wurde er von einem mit einer Pistole bewaffneten Maskierten überwältigt, in den Wagen gestoßen, gefesselt und geknebelt
Auch fünf Helfer, darunter die Freundin, die Schwester und eine Tante des Armeniers, mussten sich vor Gericht verantworten. Den fünf mutmaßlichen Handlangern, von denen einer gar nicht vor Gericht erschien, wurde Hehlerei bzw. Geldwäscherei zur Last gelegt. Zwei dieser Angeklagten wurden zu sieben bzw. sechs Monaten (jeweils bedingt) Haft verurteilt, die anderen freigesprochen. Diese Urteile sind rechtskräftig – die Freisprüche bis auf einen ebenfalls.
Wie es zunächst hieß, musste der Jüngere daraufhin mit dem Transporter zu einem Parkplatz an der Donaulände fahren. Im März 2020 folgte dann die überraschende Wende. Die Polizei verkündete im Rahmen einer Pressekonferenz, dass der Jüngere der beiden Gelboten in den Coup eingeweiht war.
Zusammen mit seinem Bruder (23) und einem Armenier (21) hat er den spektakulären Coup geplant und durchgeführt, so die Polizei. Der Bote habe auch erst ein halbes Jahr zuvor bei der Post zu arbeiten begonnen.
Auf dem Klebeband, mit dem der Fahrer gefesselt wurde, stellte die Polizei DNA-Spuren des Bruders vom Beifahrer fest. "Die Ausübung des Überfalls war nur durch ein enormes Insider-Wissen möglich", so Chef der Raubgruppe des Landeskriminalamts bei der Pressekonferenz.
Bei dem Überfall waren rund 2,1 Millionen Euro erbeutet worden, von denen nur ein kleiner Teil sichergestellt werden konnte.
Die drei Hauptangeklagten wurden jetzt nach mehreren Verhandlungstagen zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Der Geldbote muss zehn Jahre ins Gefängnis. Seine beiden mutmaßlichen Komplizen fassten jeweils zehneinhalb Jahre aus. Die Urteile des Trios sind nicht rechtskräftig. Dem zweiten Geldboten, der nichts mit der Tat zu tun hatte, müssen sie 1.000 Euro Schmerzensgeld zahlen. Laut Urteil müssen die Verurteilten das fehlende Geld zurückzahlen.