Genesene schützt eine einzige Impfung vor Mutanten

Forscher aus London wollten wissen, wie sich eine überstandene Covid-19-Erkrankung kombiniert mit einer einzelnen Dosis des mRNA-Impfstoffs von Biontech/Pfizer auf die Immunität auswirke.
Forscher aus London wollten wissen, wie sich eine überstandene Covid-19-Erkrankung kombiniert mit einer einzelnen Dosis des mRNA-Impfstoffs von Biontech/Pfizer auf die Immunität auswirke.ALEX HALADA / picturedesk.com
Personen, die bereits eine Covid-19-Erkrankung hinter sich haben, könnten nur eine Impfung brauchen, um auch gegen Virus-Varianten geschützt zu sein.

Wirken die Impfung auch gegen die Mutanten des Coronavirus? Eine Frage, die bisher immer noch nicht hundertprozentig beantwortet werden konnte. Aber eine neue Studie des Imperial College London zeigt nun immerhin, dass Personen, die bereits von einer Covid-19-Erkrankung genesen sind, schon nach einer einzelnen Impfdosis wirksam gegen Virusvarianten geschützt sein könnten. Veröffentlicht wurden die Daten jetzt Fachmagazin "Science".

Das Forschungsteam setzte bei den Laboruntersuchungen jeweils eine einzelne Dosis mRNA-Impfstoff von Biontech/Pfizer an insgesamt 51 Pflegerinnen und Pflegern ein. 23 von ihnen waren bereits vor der Impfung an Covid-19 erkrankt. Die Infektion lag jeweils ungefähr 39 Wochen zurück.

Genesene vor B.1.1.7 geschützt

Anschließend wurden die Blutproben der Gruppe auf neutralisierende Antikörper untersucht. Auch B-Zellen, weiße Blutkörperchen, die sich an das Virus "erinnern", und T-Zellen, die zum Immungedächtnis beitragen und infizierte Zellen erkennen und zerstören, waren für die Wissenschaftler von Interesse. Bei den Genesenen zeigte sich durch die einzelne Impfdosis eine deutliche Verstärkung der T-Zell-Reaktion. Sie war bei 90 Prozent der Genesenen nachweisbar – aber nur bei 70 Prozent derjenigen, die vorher noch nicht mit dem Coronavirus infiziert waren. Zudem war die Antwort bei den Genesenen siebenmal stärker.

Die Forscher wollten außerdem wissen, ob durch die Einzel-Dosis auch eine Immunität gegen die Genvarianten B.1.1.7 und B.1.351 erreicht wurde. Dabei schnitten die von Covid-19 Genesenen ebenfalls besser ab. Alle entwickelten nach der Einzeldosis eine starke Antikörperantwort gegen B.1.1.7. Bei 23 von 24 Blutproben neutralisierten die Antikörper auch Viren des Typs B.1.351. Die Reaktion war dabei erstaunlich stark: Sie war 46-mal beziehungsweise 63-mal stärker als bei denjenigen, die vorher nicht mit dem Virus in Kontakt gekommen waren.

Beunruhigendes Ergebnis

Sorgen bereitet den Forschern, dass etwa 90 Prozent der nicht zuvor Erkrankten gar keine Antikörper gegen B.1.1.7 bildeten – obwohl die Wuhan-Variante, die als Ursprungsvariante gilt, gut abgewehrt wurde. Das wurde zwar durch eine starke Antwort der T-Zellen ausgeglichen, aber auch diese fiel bei den Genesenen stärker aus als bei jenen ohne Erfahrung mit dem Virus. Nicht klären konnten die Wissenschaftler in ihrer Analyse, wie lange die Immunantwort bei beiden Gruppen bestehen bleibt.

In Zukunft werde es wichtig sein, die quantitativen und qualitativen Unterschiede zwischen den beiden Gruppen in Bezug auf die Antikörperantwort sowie die Dauerhaftigkeit der Gedächtnis-B- und T-Zell-Antworten zu klären: "Die Dauerhaftigkeit der Immunität gegen eine natürliche Infektion und nach einer Impfung sowie die anhaltende Wirksamkeit des Impfstoffs und die Impfstoffflucht müssen im Laufe der Zeit überwacht werden", so die Forscher.

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