Gesichtserkennung funktioniert auch bei Bären und Kühen

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Kannst du wilde Bären auseinanderhalten? Für die Software Bear ID ist das ein leichtes Spiel – und für die Wissenschaft ein großer Gewinn.

Gesichtserkennungstechnologie ist mittlerweile allgegenwärtig. Viele Menschen benutzen sie täglich beim Entsperren ihres Smartphones. Sie wird aber auch andernorts wie beispielsweise in gewissen Flughäfen und anderen öffentlichen Räumen vermehrt eingesetzt. Wie sich nun aber zeigt, funktioniert diese Technologie aber nicht nur am Menschen, sondern auch bei Tieren.

So beispielsweise bei den Grizzlybären Dani, Lenore und Bella. Ein normaler Mensch kann die drei Tiere, die in Knight Inlet in British Columbia in Kanada leben, kaum auseinanderhalten. Denn sie alle haben das für Grizzlybären typische braune, zottelige Fell und eine hellere Nase und spielen gern gemeinsam im Fluss. Für die Wissenschaft kann es aber wichtig sein, einzelne Tiere auseinanderhalten zu können, um deren Lebensraum und Gewohnheiten zu untersuchen und zu bewahren.

Tierfreundliche Methode

Darum hat die Biologin Melanie Clapham zusammen mit einem Tech-Team aus dem Silicon Valley eine neue Technologie entwickelt, die sie Bear IDnennen. Diese fokussiert auf die Gesichtszüge der Tiere und kann diese auch nach längerer Zeit wiedererkennen, wenn ein Bär sich beispielsweise ein dickes Winterfell zugelegt oder Gewicht verloren hat. Tatsächlich ist es der Bear ID bis anhin gelungen, 132 unterschiedliche Bären abzuspeichern und zu beobachten.

Es handle sich dabei um eine äußerst günstige Methode, die für die Bären viel weniger invasiv sei, als wenn man ihnen beispielsweise ein GPS-Halsband anlegt oder einen Tracking-Chip ins Ohr implantiert, so Clapham zu CNN. Man müsse die Bären nicht einfangen und könne die nötige Infrastruktur aufstellen, ohne die Tiere ihrer Freiheit zu berauben oder ihnen Angst einzujagen. Auch für die Forschenden habe dies Vorteile, zumal sie sich nicht selbst in Gefahr bringen müssen.

Treffsicherheit von 85 Prozent

Um die Wiedererkennung der Bären möglich zu machen, sammelte das Wissenschaftsteam Tausende Fotos von den Bären in Knight Inlet, um eine Datenbank erstellen zu können. Anschließend bauten sie eine Software mit Namen Dog Hipsterizer um, die eigentlich dazu gedacht war, Hunde virtuell mit Schnurrbärten oder Hüten zu schmücken. Den Forschenden gelang es aber, die Software so umzuprogrammieren, dass sie die Gesichtszüge von Bären wiedererkennen konnte.

"Das Programm erkennt die Tiere viel besser, als wir es könnten", erklärt Ed Miller, der ebenfalls am Projekt mitarbeitete. Mittlerweile könne es die Bären mit einer Treffsicherheit von 85 Prozent wiedererkennen. Natürlich klappt das aber nur bei Bären, von welchen bereits Fotos in der Datenbank existieren.

Dies funktioniert allerdings nicht nur bei Bären. Joe Hoagland, ein Viehzüchter aus Kansas, USA, nutzt ebenfalls Gesichtserkennungstechnologie, um sein Vieh auseinanderhalten zu können. Die App Cattle Tracs, die er dazu benutzt, hat er gleich selbst gebaut. Die Technologie sei nützlich, da beispielsweise Kühe in ihrer Lebenszeit bei vielen verschiedenen Bauern und Züchtern unterkommen. Daher sei es oft sehr schwierig, zurückzuverfolgen, wo das Vieh bereits überall gewesen sei, und insbesondere wenn es um die Rückverfolgung von Krankheitsketten und deren Ursprung gehe, sei dies ein Problem.

Gold für Wilderer

Die Technologie hat aber auch ihre Schattenseiten, wie Tanya Berger-Wolf, Mitgründerin von Wildbook.org, darlegt. "Was zwar großartig für Wissenschaft und Forschung ist, ist geradezu Gold wert für Wilderer", sagt sie. Denn diese könnten eine solche Software dazu benutzen, Wildtiere aufzuspüren und sie mittels GPS genauestens zu lokalisieren. Daher sei es äußerst wichtig, dass solche Programme nur kontrolliert und unter professioneller Aufsicht eingesetzt werden dürfen.

Clapham ist aber zuversichtlich, was die Zukunft von Bear ID angeht. "Wir arbeiten momentan daran, noch mehr Bilder von jenen Bären zu sammeln, die in unserer Datenbank noch nicht häufig vertreten sind." Außerdem kann sich die Biologin vorstellen, das Projekt auch auf weitere Tierarten auszuweiten. "Wirklich jede Spezies könnte sich für ein solches Projekt eignen, wenn nur genügend Bildmaterial von den einzelnen Tieren vorhanden ist", so Clapham.

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