Die 28-jährige Musikerin Sofia Pinaeva ist die erste Patientin im LKH Graz, die bei ihrer eigenen Gehirn-Operation Querflöte spielte.
Wachoperationen hat es schon früher gegeben, das Team um Klinikvorstand Michael Mokry führt seit sechs Jahren solche Eingriffe durch. Pinaeva musste wach bleiben, um die feinmotorischen Fähigkeiten, die sie ihr Querflötenspiel und ihren Beruf als Musiklehrerin und Fotografin braucht, nicht zu verlieren.
"Von außen betrachtet ist das eher etwas ungewöhnlich", gab sie lachend zu. "Aber für mich was das keine Frage, dass ich das mache."
Mehr als 50 Prozent entfernt
Während bei einer Vollnarkose ein "Sicherheitsrand" zurückgelassen werden muss, kann bei einer Wach-OP durch die Rückmeldung des Patienten viel mehr Tumorgewebe entfernt werden. "Kann uns der Patient etwas sagen, dann können wir bis an die Grenze des Möglichen gehen", so Operateur Gord von Campe. So konnten über 50 Prozent des Tumors entfernt werden, bei einer herkömmlichen OP wäre es viel weniger gewesen.
Rechnen, Schauen, Querflöte spielen
Am Anfang der OP wurde Pinaeva kurz in Narkose gelegt, damit ihre Schädeldecke betäubt und geöffnet werden konnte. Das Gehirn selbst ist schmerzunempfindlich. Deshalb konnte die Patientin wieder aufgeweckt werden und verschiedene Tests während der Operation machen. Das außergewöhnlichste war aber ihr Flötenspiel.
"Gespielt habe ich viele Klassiker - Mozart, Bach. Und auch Prokofjew - ein russischer Komponist musst schon dabei sein", sagte die gebürtige Russin nun bei einer Pressekonferenz.
Ihr Sehvermögen wurde zudem mit Bildern getestet, auch musste sie mathematische Gleichungen lösen und Griffe auf der Querflöte auf Zuruf greifen. Der Chirurg setzte währenddessen die Ränder des Tumors unter Strom. Wenn Pinaeva plötzlich nicht mehr sehen, spielen oder rechnen konnte, durfte die Stelle nicht geschnitten werden.
Die Operation ging vor einem Jahr über die Bühne und dauerte rund sechs Stunden.
Chemotherapie erfolglos
Die Musikerin entdeckte ihren bösartigen Tumor, ein Gliom im rechten Gehirnlappen, im November 2015 durch Zufall bei einer Untersuchung nach einem Fahrradsturz. Eine Chemotherapie half nicht. (red)