Greifvogel-Killer tötet mit verbotenem Pflanzenmittel

Ein seltener Rotmilan im Flug. Symbolbild
Ein seltener Rotmilan im Flug. SymbolbildBirdLife Österreich, Matthias Schmidt
In den letzten Wochen wurden 5 Rotmilane unter teils mysteriösen Umständen tot aufgefunden. Mindestens zwei starben an einem verbotenen Pflanzengift.

Illegale Übergriffe gegen den streng geschützten Rotmilan und andere Aasfresser nehmen in Oberösterreich nach Angaben der Vogelschutzorganisation BirdLife stark zu. "Seit 2017 zählen wir insgesamt elf Rotmilane, die eines unnatürlichen Todes gestorben sind, die erhebliche Dunkelziffer nicht einberechnet!", betont Ornithologe Hans Uhl. "Bei einem derzeitigen Brutbestand von 25 Paaren ist diese hohe Rate an unnatürlichen Todesfällen bestandsgefährdend". 

Besonders dreist gehen Täter in Meggenhofen im Bezirk Grieskirchen vor. Nachdem hier bereits 2019 zumindest ein mit Carbofuran vergifteter Rotmilan gefunden wurde ("Heute" berichtete) und das Umweltkriminalamt ermittelte, setzen sich die illegalen Praktiken jüngst fort. Nachdem Ende April neuerlich ein Rotmilan durch das Gift getötet worden war, soll es in Meggenhofen zu einem weiteren tragischen Zwischenfall gekommen sein. Wie BirdLife meldet, konnte ein vergifteter Hund nur durch tierärztliche Intervention vor dem Tod gerettet werden. Solch perfide Vergiftungsaktionen mit Carbofuran gegen Rotmilane und andere Wildtiere sind auch in den Gemeinden Weilbach, Auerbach und Strohheim nachgewiesen. Befunde der in den letzten Wochen geborgenen, toten Rotmilane in Utzenaich und Schallerbach stünden derzeit noch aus.

Erheblicher Schaden für Schutzprojekt

Das seit 2016 laufende Artenschutzprojekt verfolgt das Ziel, das Wiedereinwandern des vormals jahrzehntelang ausgestorbenen Greifvogels in OÖ zu stützen. "Verbesserter Schutz der Horstplätze und eine höhere Akzeptanz sowie aktive Mitarbeit in der Jägerschaft tragen zu einer nachweislich guten Bestandsentwicklung der Rotmilane bei. Dort, wo sich neue Hotspots der illegalen Tötung von Rotmilanen formieren, bleiben unsere Schutzbemühungen jedoch ergebnislos", so Projektleiter Hans Uhl.

Der Experte fordert harte Konsequenzen: "Illegale Verfolgung geschützter Greifvögel ist kein Kavaliersdelikt, sondern richtet sich gegen das öffentliche Interesse des Naturschutzes. Wir brauchen eine Gesellschaft, die möglichst geschlossen gegen derartige Undinge vorgeht. Dazu zählt eine konsequente, rechtliche Verurteilung der Täter und, sollte die derzeitige Rechtslage nicht ausreichen, eine Verschärfung der gesetzlichen Bestimmungen."

"Kein Pardon bei der Bestrafung"

Auch die Politik reagiert. "Die gezielte Tötung streng geschützter Arten, wie des Rotmilans, ist völlig inakzeptabel und zutiefst erschütternd", wettert Landeshauptmann-Stellvertreter Manfred Haimbuchner (FPÖ). "Durch solch unethische und feige Taten wird jahrelange Arbeit Zunichte gemacht und der gemeinsame Einsatz für eine artenreiche Natur verhöhnt. [...] Die Erhaltung einer artenreichen Natur und eines funktionierenden Ökosystems liegen in unser aller Verantwortung. Wir dürfen solche Verstöße gegen den Naturschutz nicht Schule machen lassen."

Oberösterreichs Landesjägermeister Herbert Sieghartsleitner ergänzt: "Wir haben lange Jahre keine Giftleger mehr in Oberösterreich gehabt und waren seitens der Jägerschaft erpicht darauf, dass in unseren Revieren keine Giftköder liegen – letztlich trifft es 'unser' Wild und unsere Jagdhunde gleichermaßen. Dass jetzt verstärkt Fälle illegaler Verfolgung von Greifvögeln und anderen Tieren auftreten, erschüttert mich und bestärkt mich, entschieden dagegen aufzutreten. Sollte sich herausstellen, dass hier Jäger am Werk sind, darf es kein Pardon bei der Bestrafung geben!"

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