Nur 13 Prozent

Grippeimpfung in Österreich: Impfquote bleibt niedrig

Die Grippeimpfung bleibt in Österreich trotz Empfehlungen und öffentlicher Programme weiterhin stark unterschätzt und wenig genutzt.
Heute Life
08.01.2026, 08:02
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Die Ergebnisse einer Studie der Wiener Sozialmedizinerin Ursula Kunze von der MedUni Wien und ihren Co-Autoren sprechen eine klare Sprache: "Trotz umfassender Impfempfehlungen wird die Grippeimpfung von der österreichischen Bevölkerung und vielen Bereichen des Gesundheitssystems weiterhin deutlich unterschätzt."

40 Jahre Impfbereitschaft analysiert

Die Analyse, die im Fachjournal "Frontiers in Public Health" veröffentlicht wurde, umfasst Daten aus mehr als 40 Jahren, nämlich von 1982 bis 2023. Wie orf.at berichtet, zeigt sich bei der Influenza-Impfung in Österreich wenig Fortschritt. Zwar gab es zur Grippesaison 2020/2021 wegen der Corona-Pandemie einen deutlichen Anstieg bei den Impfungen, seither ist die Zahl aber wieder deutlich zurückgegangen.

Zu Beginn, zwischen 1982 und 2003, ist die Zahl der verabreichten Grippeimpfungen stark gestiegen: "Ausgehend von einem sehr niedrigen Niveau von 20 Dosen pro 1.000 Einwohner stieg sie auf 127 Dosen pro 1.000 Einwohner. Die höchste Impfquote wurde in der Saison 2006/07 mit 142 Dosen pro 1.000 Einwohner verzeichnet." Ab der Saison 2007/08 ging die Impfquote aber stetig zurück – bis 2011 auf 81 Dosen pro 1.000 Einwohner, danach nochmals auf nur 62 Dosen pro 1.000 Einwohner in der Saison 2015/16.

Verdoppelung während Corona, aktuell eine der niedrigsten Impfquoten weltweit

Bis zur Saison 2019/20 gab es einen leichten Anstieg auf 85 Dosen. Dann kam der Ausreißer wegen Corona: "Die Saison 2020/21 war bemerkenswert, da sich die Anzahl der verabreichten Dosen auf 221 Dosen pro 1.000 Einwohner mehr als verdoppelte", so die Autoren. Doch schon in den darauffolgenden Saisonen sank die Zahl wieder, zuletzt auf 133 Dosen pro 1.000 Einwohner in der Saison 2023/24, heißt es in der Studie. Die aktuelle Impfquote liegt damit bei nur 13 Prozent – das ist weiterhin einer der niedrigsten Werte weltweit.

Zuletzt ist aber ein leichter Anstieg zu sehen. Die Studie aus Wien bezieht sich auf Daten bis 2023. Ab der Saison 2023/24 zeigt das Impfdaten-Dashboard des Gesundheitsministeriums einen leichten Anstieg bei den Grippeimpfungen. So haben sich in der Saison 2023/24 etwa 222.200 Wienerinnen und Wiener gegen Influenza impfen lassen. In der Saison 2024/25 waren in Wien rund 259.800 Personen, in der aktuellen Saison 2025/26 bis jetzt schon etwa 290.600. Auch österreichweit ist ein leichter Anstieg erkennbar.

Durchschnittlich 1.300 Grippe-Tote in Österreich pro Saison

Eine aktuelle systematische Übersichtsarbeit schätzt, dass weltweit jedes Jahr rund 3,2 Millionen schwere Krankheitsverläufe durch Influenza entstehen, die zu Krankenhausaufenthalten führen. In der EU bzw. im EWR kommt es demnach jährlich zu etwa 50 Millionen symptomatischen Grippefällen, die 15.000 bis 70.000 Todesfälle nach sich ziehen. Für Österreich wird die Zahl der saisonalen Influenza-Infektionen auf 350.000 bis 400.000 pro Jahr geschätzt, dazu kommen im Schnitt rund 1.300 Todesfälle (je nach Saison zwischen 360 und 4.000). Damit zählt die Grippe hierzulande zu den häufigsten Todesursachen, die durch eine Impfung vermeidbar wären.

Umso ernüchternder fällt der Blick auf die Impfquoten aus: Obwohl Österreich im europäischen Vergleich sehr weitreichende Impfempfehlungen hat, liegt die Durchimpfung in der Gesamtbevölkerung bei nur etwa zehn Prozent – und damit zählt das Land zu den Schlusslichtern in Europa.

{title && {title} } red, {title && {title} } Akt. 08.01.2026, 10:30, 08.01.2026, 08:02
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