Noch vor Sonnenaufgang begann der Großeinsatz: Gegen 6 Uhr rückten rund 200 Polizisten zu einer Flüchtlingsunterkunft im Hamburger Stadtteil Winterhude aus. Unterstützt wurden sie laut BILD von der Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit (BFE). Auch Mitarbeiter der Familienkasse beteiligten sich an der Aktion.
Während die Polizei sämtliche Zugänge zur Unterkunft sicherte, wurden die Bewohner kontrolliert. Die Behörden überprüften anhand von Meldelisten, ob die registrierten Personen tatsächlich an der angegebenen Adresse wohnen, berichtet die deutsche Boulevardzeitung.
Nach den vorliegenden Informationen der BILD sind in der Unterkunft knapp 1.000 Menschen gemeldet. Insgesamt bietet die Anlage Platz für mehr als 1.500 Bewohner und erstreckt sich über rund 32.000 Quadratmeter.
Hintergrund der Razzia sind Maßnahmen gegen bandenmäßigen Sozialleistungsmissbrauch. Nach Angaben der Behörden sollen Personen unter anderem über Scheinarbeitsverhältnisse oder Scheinwohnsitze unrechtmäßig Sozialleistungen beziehen, heißt es in dem Bericht weiter.
Bereits bei der Innenministerkonferenz im Frühjahr wurden dafür umfangreiche Maßnahmen beschlossen. Künftig sollen Jobcenter, Familienkassen, Ausländerbehörden und Polizei enger zusammenarbeiten und Daten verstärkt austauschen. Dabei soll auch Künstliche Intelligenz zum Einsatz kommen.
Ein Schwerpunkt der Ermittlungen ist der Verdacht auf Identitätsmissbrauch. Behörden gehen davon aus, dass sich einzelne Personen fälschlicherweise als ukrainische Kriegsflüchtlinge ausgeben könnten, um schneller Sozialleistungen zu erhalten.
Hamburg hat dafür mittlerweile eine eigene Meldestelle eingerichtet. Dort können Verdachtsfälle von Sozialleistungsmissbrauch direkt an die zuständigen Behörden gemeldet werden.