Dieses Missgeschick werden José, Julian, Davide, Dylan, Eva und Dan wohl nicht so schnell vergessen: Die Gruppe drehte am Samstag gegen Mittag in einer Straße in Neuenburg (Schweiz) einen Kurzfilm für das "48 Hour Film Project Genève". Bei der Veranstaltung haben die Teilnehmenden zwei Tage Zeit, um einen Film zu drehen. In dem von den Filmemachern erdachten Szenario sollten die Schauspielerinnen und Schauspieler einen Raubüberfall spielen und waren dafür auch mit einer Schusswaffenattrappe "bewaffnet".
Aufgrund der kurzen Zeit, die für das Projekt zur Verfügung steht, konnte das Team nicht die gesamte Nachbarschaft warnen. Eine Anwohnerin, die von ihrem Fenster aus einen bewaffneten Mann sah, verständigte daraufhin die Neuenburger Polizei, die schwer bewaffnet in die Avenue des Vignobles eilte.
Das Team sah das große Polizeiaufgebot von seiner Wohnung aus: "Wir waren beeindruckt von dem Zufall, dass wir das während der Dreharbeiten zu unserem Film sehen konnten. Wir sind ein paar Mal in die Gasse gegangen, aber nicht zu nah an die Avenue, weil wir Angst hatten, für echte Kriminelle gehalten zu werden", erklärt José, einer der Drehbuchautoren der Komödie.
Laut "20 Minutes" dauerte es eine ganze Stunde, bis die Polizisten an der Tür klingelten. Die Beamten betraten die Wohnung und suchten nach der gemeldeten Schusswaffe. Vier der sechs Mitglieder des Filmteams wurden durchsucht, in Handschellen gelegt und zur Polizeiwache gebracht. Dort warteten sie drei Stunden lang in einer Zelle, während die Polizisten die einzelnen Verhöre durchführten.
Die Polizei betonte auf Anfrage: "Im aktuellen Kontext muss man sich darüber im Klaren sein, dass das Zusammentreffen mit bewaffneten Personen die Bevölkerung in Angst und Schrecken versetzt, und es ist klar, dass die Polizei ohne eine von der Gemeinde ausgestellte Genehmigung für eine solche Praxis eingreifen muss." Die Schauspieler sehen sich deshalb mit einer Anzeige konfrontiert, die Waffenattrappe wurde beschlagnahmt.
Die Gruppe setzte die Dreharbeiten nach dem Vorfall fort, zu Beginn des Filmes erscheint nun eine Entschuldigung an die Anwohnenden von Neuenburg. Ein ähnliches Missgeschick mit einer Schusswaffenattrappe passierte 2020 bereits in Vevey, als Jugendliche für ein Youtube-Video einen Überfall auf ein Geldwechselgeschäft imitierten.