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Großes Kino – "Meisterdetektiv Pikachu kehrt zurück"

Unser allerliebstes Pokémon ermittelt wieder: "Meisterdetektiv Pikachu" für Nintendo Switch liefert eine herzerwärmende Geschichte abseits der Kämpfe.

Rene Findenig
"Meisterdetektiv Pikachu kehrt zurück" im Test – großes Kino
"Meisterdetektiv Pikachu kehrt zurück" im Test – großes Kino
Nintendo

Hören Zocker das Wort "Pokémon", denken sie wahrscheinlich sofort an die Videospiel-Reihe mit rundenbasierten Kämpfen gegen wilde Taschenmonster und dem Ziel, der beste Trainer des jeweiligen Titels zu werden. Doch abseits davon hat das Universum ganz untypische Geschichten zu erzählen. Etwa jene von "Meisterdetektiv Pikachu", der nach seinem Adventure-Game-Debüt im Jahr 2016 auf dem Nintendo 3DS (erschien erst zwei Jahre später in ausführlicherer Form hierzulande) den Weg auf die Kinoleinwand mit dem Film "Pokémon Meisterdetektiv Pikachu" im Jahr 2019 (eine Fortsetzung ist in Arbeit) und nun wieder zurück in Videospielform hinlegt. "Heute" hat "Meisterdetektiv Pikachu kehr zurück" für Nintendo Switch getestet.

Eine kleine Rückblende muss zu Beginn sein, um die Handlung des neuen Switch-Adventures zu verstehen. So stellte uns das Auftakt-Game 2016 (beziehungsweise 2018) das wohl bekannteste Taschenmonster Pikachu mit ganz neuer Rolle vor. Unser funkensprühendes Maskottchen hatte sich im Spiel in der Stadt Ryme City niedergelassen, war endlich der Sprache mächtig und betätigte sich als Detektiv. Der Spieler steuerte im Game allerdings nicht Pikachu, sondern den Jugendlichen Tim Goodman, dessen Vater – und gleichzeitig Pikachus Besitzer – spurlos verschwunden war. Tims Vater Harry konnte das Duo im 3DS-Spiel zwar nicht ausfindig machen, dafür aber viele kleine Rätsel lösen und eine große Verschwörung aufdecken.

Vom Videospiel zum Kinofilm – und wieder zurück

Einen weitaus ernsteren Ton trotz seines eigentlich witzigen Plots schlug der Kinofilm ein – die Ereignisse überschnitten sich dabei teilweise mit dem Game. Tim gab nach dem Tod seiner Mutter den Traum auf, Pokémon-Trainer zu werden, anders als im Spiel verschwand sein Vater aber nicht, sondern wurde nach einem schweren Unfall für tot erklärt. In der Wohnung seines Vaters stieß Tim daraufhin auf den an einer Amnesie leidenden Pikachu, der wiederum nicht an den Unfalltod von Harry glaubte. Gleichzeitig musste sich das Duo mit einem mysteriösen Gas herumschlagen, das Pokémon aggressiv werden ließ. Nach viel Herzschmerz und einer kurzzeitigen Trennung raufte sich das Duo zusammen – und fand auch Tims Vater wieder.

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    "Meisterdetektiv Pikachu kehrt zurück" für die Nintendo Switch knüft an den 3DS-Game-Vorgänger an – heißt, Tims Vater Harry wird noch immer vermisst und das...
    "Meisterdetektiv Pikachu kehrt zurück" für die Nintendo Switch knüft an den 3DS-Game-Vorgänger an – heißt, Tims Vater Harry wird noch immer vermisst und das...
    Nintendo

    Nun knüpft wiederum "Meisterdetektiv Pikachu kehrt zurück" für die Nintendo Switch an den Game-Vorgänger an – heißt, Tims Vater Harry wird noch immer vermisst und das Duo muss nun endlich aufklären, wo er steckt oder was mit ihm passiert ist. Der Start erfolgt direkt dort, wo der Vorgänger geendet hatte – in Ryme City sollen Tim und Pikachu für die Rettung der Stadt vom Bürgermeister ausgezeichnet werden. Das geht fast erwartungsgemäß gehörig schief und schon suchen Tim und Pickachu wieder nach Hinweisen in Serie, um die kleinen Vorfälle, großen Verbrechen wie den Diebstahl des wertvollen Edelsteins namens "Auroratropfen" und natürlich auch das Verschwinden von Harry endlich aufzuklären. Ganz großes Kino!

    Großartige Handlung mit viel Witz und Emotionen

    Die Story beginnt mit kleinen Schritten, legt aber schnell Zahn um Zahn zu, bis es um eine allumfassende Bedrohung geht – die wir an dieser Stelle natürlich nicht vorwegnehmen. Gesagt werden kann aber: Die Handlung des Games ist große Klasse, sie hat wieder viel Humor zu bieten, nimmt sich aber auch genug Zeit für ruhige und emotionale Momente, bevor völlig unvorhersehbar ein Plot-Twist um die Ecke biegt oder die Beziehungen von verschiedensten Pokémon zu ihren Besitzerinnen und Besitzern wunderbar herzerwärmend beleuchtet. Beim Gameplay selbst findet sich dagegen nicht viel Neues. Als Spieler wird man an verschiedene Tatorte geführt, die von Parks bis Tempelanlagen reichen, und soll dort die Zeugen befragen.

    Klassisch übernimmt Pikachu die Zeugenbefragungen, die sich mit viel Wortwitz und durchdacht zeigen, aber auch viel zu lesende Texte an den Spieler bringen. Außerdem müssen die Tatorte mit einem Lupensymbol abgesucht werden, was wiederum neue Hinweise und Beweisstücke zutage fordert. Mit diesen darf man dann erneut bei den Zeugen nachfragen – ein Kreislauf, der sich laufend wiederholt, aber nicht so schnell eintönig wird. Dafür sorgt auch, dass es immer mal wieder nette Einlagen wie Verfolgungsjagden, Labyrinthwettrennen oder einige Quick-Time-Events gibt, in denen recht simpel nur zur rechten Zeit ein Switch-Button gedrückt werden muss. Allzu viel Komplexität darf man sich beim Gameplay nicht erwarten.

    Bei der Spurensuche wird eine große Chance vergeben

    Eine richtig gute Chance bei der Detektivarbeit lässt das Spiel leider liegen, denn egal, ob man bei einem Fall mit den eigenen Ermittlungsergebnissen goldrichtig oder voll daneben liegt, kommt man schlussendlich zum korrekten Resultat, denn das Spiel blendet einfach irgendwann ein, dass man einen Fehler gemacht hat – und wer selbst dann nicht weiter weiß, tippt sich einfach durch vier Antwortmöglichkeiten, bis man die richtige erwischt. Ohne einstellbaren Schwierigkeitsgrad ist der Anspruch recht niedrig – immerhin werden auch Kinder kein Problem mit dem Vorankommen im Titel haben. Jeder Fall endet auch etwas unspektakulär – hat man alle Hinweise abgegrast, alle Zusammenhänge hergestellt, wählt man nur das Resultat.

    Auch umschauen darf man sich in "Meisterdetektiv Pikachu kehrt zurück" nicht, denn das Spiel führt euch immer nur an die vorgegebenen Ort, die man für die Ermittlungen nicht verlassen darf. Ein Bonus ist, dass immer mal wieder richtig gute Videosequenzen in das Abenteuer eingestreut werden, die wahlweise im japanischen Original oder in englischer Sprache verfolgt werden können – eine deutsche Vertonung gibt es indes nicht, nur die Untertitel und Textdialoge werden auf Deutsch eingeblendet. Abgerundet wird das Gameplay von kleinen Rätseln und Geschicklichkeitsspielen zwischen den Fällen, die für den eigentlichen Spielfortschritt eher nebensächlich, aber eine gute Möglichkeit sind, Pokémon und NPCs kennenzulernen.

    Großes Kino – "Meisterdetektiv Pikachu kehrt zurück"

    Technisch läuft das Spiel super, die Grafik ist an die jüngsten Pokémon-Titel "Karmesin" und "Purpur" angelehnt und deswegen eher in Comic- als in Pixel-Optik. Die (nicht allzu ausführliche) Sprachausgabe ist gut, die Musik und Sound-Effekte sind stimmig. Ruckler oder andere Probleme gibt es keine. Bei all der Grafik- und Technik-Pracht ist es umso mehr schade, dass die Macher den Spieler nicht die Welt eingehender erkunden lassen, denn die Umgebungen, Figuren und vor allem die Dutzenden vorkommenden Pokémon, die auch gut in die Geschichte eingewoben werden, können sich wirklich sehen lassen. Klar muss man sich auch sein, dass sich trotz der toll erzählten Story das Gameplay recht begrenzt und übersichtlich zeigt.

    Neben dem Absuchen der Tatorte und dem Durchklicken der teils sehr ausführlichen Dialoge bleiben nur noch einige Quick-Time-Events und Geschicklichkeitsspiele übrig, viel mehr darf man im Switch-Spiel nicht steuern. Dennoch macht "Meisterdetektiv Pikachu kehrt zurück" richtig viel Spaß, denn kein anderes Pokémon-Game nimmt sich die Zeit, die Beziehung zwischen den Taschenmonstern und ihren Menschen so detailliert und herzerwärmend zu beleuchten wie dieses Game. Das, eingebettet in eine witzige und auch actiongeladene Detektiv-Geschichte, sollte nicht nur jeden Pokémon-Fan auch abseits von Kämpfen und Level-ups überzeugen und macht "Meisterdetektiv Pikachu kehrt zurück" zu großem Kino.

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