Pfarre fühlt sich bei Grundverkauf übergangen

Der Pfarrgemeinderat in Oberwaltersdorf (Baden) fühlt sich bei einem Grundstücksverkauf übergangen. Der Pfarrer darf über die Hintergründe nicht reden.

Aufregung herrscht derzeit beim Pfarrgemeinderat in Oberwaltersdorf. Nur zufällig erfuhr dieser vom Verkauf der „Pfarrpfründe", welche vor vielen Jahren der Pfarre zum Erhalt des Pfarrers geschenkt wurden. Verwaltet werden diese „Pfarrpfründe" von der Erzdiözese Wien, welche sie jetzt gegen ein anderes Grundstück in Trumau getauscht und dafür zusätzlich einen Betrag von 1,9 Millionen Euro erhalten hat. Der Pfarrgemeinderat wusste vom Verkauf nichts, der Pfarrer darf darüber nicht sprechen. Jetzt beschwerte sich der Pfarrgemeinderat in einem Brief an Kardinal Schönborn über den Vorfall.

"Die Pfarre Oberwaltersdorf besitzt historisch bedingt einige Grundstücke - die sogenannten Pfarrpfründe. Diese wurden der Pfarre in der Vergangenheit großteils von gläubigen Christen geschenkt, damit sich die Pfarre und der Pfarrer selbst 'erhalten' können", so der stellvertretende Obmann des Pfarrgemeinderates in Oberwaltersdorf, Christoph Pongratz.

Pfarrgemeinderat nicht in Kenntnis gesetzt

Kritisiert wird vor allem auch, dass der Pfarrgemeinderat und der Vermögensverwaltungsrat nicht in Kenntnis gesetzt wurden. Pfarrer Andreas Hornig soll "da er dem Bischof im Gehorsam verpflichtet sei" unterschrieben haben. "Wir wollen nun unserem Pfarrer keinen Vorwurf machen, hat er doch schon seitens der Erzdiözese Wien ein sogenanntes "Monitum" mit Androhung der Suspendierung erhalten. Und das deswegen, weil er sich offen für den Erhalt unserer Pfarre eingesetzt hat", kritisiert der Pfarrgemeinderat in dem Schreiben an den Kardinal. "Um die erlösten 1,9 Millionen Euro könnten wir einen eigenen Priester für die nächsten 100 Jahre bezahlen", heißt es weiter. Rein rechtlich ist der Vorgang mit der Unterschrift des Pfarrer (welche notwenig war) in Ordnung.

"Ganze Reihe von Missverständnissen"

Pfarrer Andreas Hornig darf sich zu der Angelegenheit nicht äußern. „Ich darf darüber nicht mit der Presse sprechen", sagt er auf telefonische Nachfrage. Der Pressesprecher der Erzdiözese Wien, Michael Prüller, sieht auf Anfrage der "NÖN" „eine ganze Reihe von Missverständnissen" wie er sagt. „Das alte Grundstück – es stand nicht im Eigentum der Pfarre - hat widmungsgemäß dazu gedient, den Lebensunterhalt des Pfarrers (mit)zubestreiten. Das neue Grundstück, das im Tausch erworben wurde, wird weiterhin diesem Zweck dienen. Ebenso der Zusatzerlös, der beim Tausch erzielt wurde. Der Pfarre ist somit nichts verloren gegangen. Ihre Rechte wurden nicht verletzt. Und der Verwalter des Grundstücks – die Erzdiözese Wien – ist mit aller gebotenen wirtschaftlichen und rechtlichen Sorgfalt vorgegangen", so Prüller in einer schriftlichen Stellungnahme.

"Nicht zur Unterschrift gezwungen"

„Aufgrund der Rechtsnatur der Pfründezusammenlegung vor vielen Jahren tritt jeder Pfarrer bei seiner Ernennung die Verwaltung der Pfründe an die Erzdiözese ab", so der Pressesprecher weiter. „Für den Staat ist der Pfarrer aber weiterhin der Vertreter der Pfründe in Rechtsgeschäften. Seine Unterschrift unter den Tauschvertrag ist also für das rechtliche Zustandekommen des Tausches notwendig, und gleichzeitig ist er der Erzdiözese gegenüber, an die er ja die Pfründeverwaltung abgetreten hat, zur Unterschriftleistung verpflichtet. Generalvikar Krasa hat ihn in einem Schreiben daher um diese Unterschrift gebeten, ihn aber keineswegs gezwungen. Auch nicht durch ein Monitum".

Der Pfarrgemeinderat, der derzeit jeden Cent spart, um die Pfarrheimküche zu sanieren und den Kirchturm um rund 50.000 Euro neu anstreichen muss, befürchtet künftig bei der Bevölkerung auf wenig Verständnis für eine Spende zu stoßen. "Glauben sie wirklich, die Menschen sind bereit, dafür zu spenden, wenn sich gleichzeitig herumspricht, welche Gelder hier durch Grundstücksverkäufe lukriert wurden? Wie sollen wir das der Pfarrbevölkerung erklären?", fragen sich die Mitglieder des Pfarrgemeinderats.

Bisher hat dieser noch keine Antwort auf sein Schreiben bekommen. „Wir hätten uns einen Dialog und vor allem eine Information gewünscht und erwartet", zeigt sich der stellvertretenden Obmann des Pfarrgemeinderates, Christoph Pongratz, enttäuscht von der Erzdiözese. (wes)

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