Wer kennt es nicht: Leere Gurkengläser, Öl- oder Olivenflaschen landen im Altglascontainer. Das könnte sich bald ändern. Denn der Ukraine-Krieg hat die Glasherstellung massiv verteuert - und Produzenten suchen nach Alternativen.
Unternehmen wie Kühne oder Feinkost Dittmann haben sich zu einer Allianz zusammengeschlossen. Ihr Ziel: Gurkengläser und Ölflaschen sollen künftig wie Bierflaschen im Pfandautomaten landen - und wiederverwendet werden.
"Wir führen eine Allianz von inzwischen 25 Herstellern an, die sagt: Wir wollen das Mehrwegsystem für diese Art von Produkten auf den Weg bringen", wie es bei n-tv heißt. Der Grund sei ökonomisch: Die Glasherstellung ist durch den Ukraine-Krieg teurer und unberechenbarer geworden.
Ukrainische Glaswerke wurden zerstört. Von dort bezogen deutsche Unternehmen einen Großteil ihres Glases. Dazu kommt: Glas wird bei rund 1600 Grad geschmolzen - das braucht enorme Mengen Erdgas. Bei Mehrweg werden Flaschen hingegen nur bei 80 Grad gewaschen.
Das Problem: Die bestehende Infrastruktur für Mehrweg funktioniert super bei Bier und Wasser. Brauereien haben Millionen in Reinigungsanlagen investiert, die 50.000 Flaschen pro Stunde schaffen. Für Gurkengläser fehlt aber noch die Rücklogistik.
Der Schlüssel liegt beim Einzelhandel. Rewe, Edeka und Co. müssten einen neuen Lieferstrom für Mehrweggläser organisieren. Im Biofachhandel, etwa bei Alnatura oder Denns, gibt es bereits Speiseöle in Mehrwegflaschen.
Die Discounter Aldi und Lidl bieten bis heute kein Bier oder Wasser in Mehrwegflaschen an. Ab 2030 gilt aber erstmals eine EU-weite Mehrwegquote von 10 Prozent. Dann müssen auch sie handeln.
Für Verbraucher würde sich wenig ändern: Die Gläser kämen mit Pfandwert in den Handel, würden abgefüllt und über dieselben Automaten zurückgenommen, die jetzt schon Bierflaschen annehmen. Das Gurkenglas landet dann nicht mehr im Container - sondern wieder bei der Abfüllung.