Der Tod eines Häftlings in der Justizanstalt Hirtenberg hat die Zustände im heimischen Strafvollzug erneut ins Rampenlicht gerückt. Ein Untersuchungsbericht spricht von vermeidbaren Versäumnissen. Gleichzeitig werden auch in anderen Gefängnissen zahlreiche Missstände aufgezeigt - von Personalmangel über Sicherheitsprobleme bis hin zu teils unzumutbaren Haftbedingungen.
Besonders deutlich zeigen sich die Schwierigkeiten in der Justizanstalt Klagenfurt. Das Gebäude gilt als stark sanierungsbedürftig. Wegen der technischen Ausstattung können Insassen selbst während der aktuellen Hitzewelle nur zweimal pro Woche duschen – das berichtet die "Kronen Zeitung".
Grund dafür ist laut dem Gefängnis ein zu kleiner Warmwasserboiler. Gleichzeitig erschwert der Personalmangel die notwendige Überwachung während der Duschzeiten. Von den rund 300 Insassen - darunter 20 Frauen und 15 Jugendliche - kann zudem nur etwa die Hälfte in den Werkstätten beschäftigt werden. Die übrigen verbringen einen Großteil des Tages in ihren kleinen Zellen. Auch die langen Einschlusszeiten stehen seit Jahren in der Kritik.
"Uns fehlen einfach die Ressourcen. Dabei muss man alles, was der Resozialisierung von straffälligen Menschen dient, als Investition in die Gesellschaft sehen", fordert Oberst Josef Gramm, Leiter der Justizanstalt Klagenfurt in der "Krone".
Für den erfahrenen Justizwachebeamten ist klar, dass Haft mehr leisten muss als bloßes Wegsperren. "Aber eines muss klar sein: Wir wollen als hochentwickelte Gesellschaft aus Häftlingen bessere Menschen machen. Mit Einsperren allein ist das nicht getan", stellt Gramm gegenüber der Tageszeitung klar.
In Kärnten soll sich die Situation zumindest mittelfristig verbessern. Bereits im kommenden Jahr soll der Übersiedlungsprozess in die neue Justizanstalt beginnen. Anfang 2028 sollen sämtliche Häftlinge an einem Tag in das neue Gefängnis verlegt werden.
"Es soll eine Vorzeige-Justizanstalt werden", hofft Gramm in der "Krone". Der Neubau um rund 170 Millionen Euro soll größere Zellen, Duschen sowie Sport- und Arbeitsräume bieten. Insgesamt sollen dort bis zu 400 Inhaftierte untergebracht werden.
Allerdings braucht es dafür auch mehr Personal. Der derzeitige Stand von rund 150 Justizwachebeamten müsste auf etwa 200 erhöht werden. "Wir sind schon in Verhandlungen für den neuen Personalschlüssel", wird der Leiter der Justizanstalt Klagenfurt in der "Krone" zitiert.
Ob die geplanten Verbesserungen tatsächlich umgesetzt werden können, hängt nicht nur vom Neubau, sondern auch davon ab, ob genügend Personal für den modernen Strafvollzug gefunden wird.